Arbeitsmaschinen stehen im Erkundungsbergwerk Gorleben hinter einer Absperrung.
Bild: © Philipp Schulze/dpa

Suche nach Endlager steht wieder am Anfang

Mehr als vier Jahrzehnte dauert der Streit um den Salzstock in Gorleben als Standort eines geplanten Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll. Dann begann die Suche neu, die Erkundungsarbeiten wurden eingestellt.

In Gorleben soll die Schutzmauer um den als Standort eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll geltenden Salzstock geöffnet und später weitgehend abgerissen werden. Außerdem soll es eine symbolische Abschlussbefahrung unter Tage geben. Am Montag werde die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ein Teilstück der Mauer an den Landkreis Lüchow-Dannenberg und die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg übergeben, kündigte BGE-Sprecherin Monika Hotopp an.

Der Salzstock war jahrzehntelang erkundet worden. 2011 beschloss der Bundestag den Ausstieg aus der Atomenergie, auch andere mögliche Standorte sollten nun geprüft werden. Einrichtungen im Salzstock wurden entfernt. «Die Fahrt soll unterstreichen, was schon alles zurückgebaut wurde», sagte Hotopp. Von ursprünglich neun geplanten Erkundungsbereichen sei einer fast fertig erkundet worden. «Dieser wurde in den vergangenen Jahren in einen Dornröschenschlaf versetzt», erklärte sie. Das übrige Bergwerk werde offen gehalten.

Suche wird etliche Jahre dauern

Damit beginne die letzte Phase, das Erkundungsbergwerk Gorleben zu einem reinen Offenhaltungsbetrieb zurückzubauen, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums. Die Landesregierung werde sich weiterhin für eine faire und offene Suche ohne Vorfestlegungen einsetzen. «Der Abriss der Mauer in Gorleben ist ein ganz wichtiges Signal», sagte Minister Olaf Lies (SPD) in Hannover. «Die Entscheidung für Gorleben war falsch, der Weg dahin hätte so nie stattfinden dürfen.» Er werde sehr darauf drängen, sich nicht auf Salz und Ton zu beschränken, sondern die Suche nach Kristallingestein als Grundlage bei der Standortwahl ernst zu nehmen.

Die Grünen-Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl sieht Deutschland bei der Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll noch am Anfang. «Wir sind sozusagen bei Schritt eins von Phase eins in einem vergleichenden Suchprozess, der sich über etliche Jahre erstrecken wird», sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag am Montag im Deutschlandfunk. «Im Moment ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung dabei, die Daten zusammenzutragen, die es über den Untergrund in Deutschland gibt.»

Kein Standort ist so gut erkundet wie Gorleben

Die hoch radioaktiven Atom-Abfälle sollen tief in einem Bergwerk entsorgt werden. Als geologische Formationen kommen Salz, Ton und kristallines Gestein wie Granit infrage. Es gibt mehrere solcher Gebiete in Deutschland, besonders viele liegen in Niedersachsen.

Um die Eignung des Salzstocks in Gorleben für die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll wird seit Jahrzehnten gestritten. Das war der Grund dafür, die Endlager-Suche überhaupt neu zu starten. In das Erkundungsbergwerk wurde viel Geld gesteckt, über keinen anderen Standort weiß man so viel - Kritiker fürchten daher eine Vor-Festlegung auf Gorleben.

Wissenschaftliche Entscheidung, keine Akzeptanzfrage

Am Ende werde die Entscheidung nach der Wissenschaft fallen, sagte Kotting-Uhl. «Der bestgeeignete Standort in Deutschland wird der Standort für ein Lager für hoch radioaktiven Müll werden. Und nicht der Ort, an dem die Akzeptanz am höchsten ist.»  (dpa/ls)