Durch das Einführen einer Systemdienlichkeitsschwelle wird die Jahresdauerlinie flacher (blaue Linie), die Lastspitzen werden reduziert. Bild: BEE

Systemdienliche Lösungen

BEE und Hannover Messe lassen eine Studie über Innovationsausschreibungen erarbeiten. Der Verbund an Erneuerbaren tritt in den Vordergrund.

Eine Kombination aus mehreren Erneuerbaren-Energieträgern adäquat zusammengeschlossen zur Erfüllung des Bedarfs – das ist das große Ziel der künftigen Energiewirtschaft. Einen ersten "Aufschlag" in diese Richtung haben jetzt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) und die Hannover Messe gemacht, die bei dem Consulting-Unternehmen "E4tech" die Studie "Design von Innovationsausschreibungen im EEG 2017. Innovation Balancing für ein integriertes Energiesystem" in Auftrag gegeben hatten. Im Prinzip geht es darum, ein Ausschreibungsverfahren zu finden, das die Integration der Erneuerbaren fördert. Bisherige Ausschreibungsverfahren fokussieren nur eindimensional einen Energieträger. Die Studie wurde gestern in Berlin vorgestellt.

Der Ansatz ist keine fiktive "Zukunftsmusik", sondern steht bereits im EEG 2017 festgeschrieben: Der § 39j ("Innovationsausschreibung") weist darauf hin, zwischen 2018 und 2020 Pilotprojekte mit jeweils jährlich 50 MW zu implementieren, bei denen Wind- und Solarenergie sowie andere Energieträger im Verbund eine netz- und systemdienliche technische Lösung liefern. Und im § 88d steht der Umsetzungspfad, eine Verordnungsermächtigung. Das Gesetz sieht die Umsetzung der Verordnung bis spätestens zum 1. Mai 2018 vor.

Technologieoffene Ausschreibung

Auch das Wirtschaftsministerium arbeitet derzeit an einem Entwurf einer technologieoffenen Ausschreibung, das zwei Hauptaspekte beinhaltet: der Anschluss der Anlagen an einem Netzknotenpunkt und ein Volllaststundenmodell, das systemoptimierend wirkt. BEE und Hannover Messe haben nun ein Modell vorgestellt, das nach eigenen Aussagen "am wenigsten komplex" ist, so Harald Uphoff, Kommissarischer Geschäftsführer des BEE.

Faktisch sollen die Spitzenbelastungen im Netz "gekappt" werden. Als Orientierung dient dem Modell die Jahresdauerlinie der Erzeugereinheit. Um nun die Spitzen aus dem System zu nehmen, wird in dem Modell eine sogenannte Systemdienlichkeitsschwelle eingezogen, deren Größe frei wählbar ist. Strom bekommt zudem eine Wertigkeit: Bei hoher Nachfrage erfolgt hohe Vergütung, bei Überschuss geringe oder keine Vergütung. Bei Überschuss können zudem alternative Vermarktungswege genutzt werden.

Integrierte Energiesysteme sind auch das Hauptmotto der diesjährigen Hannover Messe vom 24. bis 28. April. "Dies beinhaltet Erzeugung, Übertragung, Speicherung, Digitalisierung und neue Mobilität - alles an einem Ort", erläuterte Sebastian Low, Global Director Energy bei der Deutschen Messe AG, bei der Pressekonferenz.

Die Studie kann auf der Seite des BEE heruntergeladen werden. (al)