Von rechts nach links: Dr. Harald Hecking, Geschäftsführer von Ewi Engergy Research & Scenarios, Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe, Henning Deters, Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG und Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandvorsitzender der Rheinenergie präsentierten die Ewi-Studie. Bild: Gerd Lengsdorf

Technologieoffener Weg zum Klimaziel favorisiert

In einer Ewi-Studie ist ein technologieoffener Weg die idealste Option um die angepeilten Klimaschutzziele betriebs- und volkswirtschaftlich umzusetzen.

Die Branche ist derzeit sehr aktiv, wenn es darum geht, das Potenzial von Gas und Bio-Gas zur Erreichung der Klimaziele herauszustellen und in die öffentliche Diskussion einzubringen. So auch am 23. November in Düsseldorf, als die Ewi Energy Research & Scenarios GmbH ihre Studie zum Nutzen der Gas- und Wärmeinfrastruktur für die Energiewende präsentierte.

Die von Gelsenwasser, Open Grid Europe und Rheinenergie gemeinsam in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt in zwei Szenarien auf, wie in Deutschland eine CO2-Reduktion um 55 Prozent bis 2030 und um 95 Prozent bis 2050 erreicht werden kann. Unter dem Titel „Revolution“ wird dabei von einer ordnungsrechtlich gesteuerten Elektrifizierung im Endverbraucherbereich ausgegangen, bei der die Gas- und Wärmenetze zunehmend an Bedeutung verlieren. Die Alternative „Evolution“ setzt dagegen auf weitgehende Technologie-Offenheit und die weitere Nutzung der Leitungen.

Gas spielt eine zentrale Rolle bei Klimazielen

Die Untersuchung kommt in beiden Szenarien zu dem Schluss, dass sich die Klimaziele erreichen lassen und Gas sowie die Gasinfrastruktur dabei eine zentrale Rolle spielen. Allerdings könnten, wie Dr. Harald Hecking, Geschäftsführer von Ewi Engergy Research & Scenarios, erläuterte, im Szenario „Evolution“ bis zum Jahre 2050 Kosten von hochgerechnet bis zu 140 Mrd. Euro gegenüber „Revolution“ eingespart werden. Außerdem sei bei erstem Modell die Flexibilität deutlich höher, um auf heute noch nicht absehbare technologische Entwicklungen nach dem Jahre 2030 reagieren zu können.

Neben konventionellem Gas, das vorm allem durch Umstellungen im Wärmemarkt und in der Stromerzeugung kurzfristig deutlich Treibhausgase reduzieren könne, sieht Hecking einen großen Bedarf an synthetischen Brennstoffen. In diesem Zusammenhang nannte er eine Verdopplung der Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030 und eine Vervierfachung bis 2050.

Weltmarkt für erneuerbare Energien im Werden

Gegenüber ZfK räumte Hecking jedoch ein, dass diese Kapazität nicht ausreiche, um mit Hilfe modernster Technologien die erforderlichen Mengen an Bio-Gas produzieren zu können. Deshalb käme Deutschland künftig nicht an Importen vorbei – beispielsweise aus sonnenreichen Wüstenstaaten. Alles deute darauf hin, dass sich ein Weltmarkt für eneuerbare Energien entwickeln werde. Andererseits böte diese Entwicklung aber auch gute Chancen für den Export deutscher Anlagen und Verfahren.

Alleine auf erneuerbare Energien zu setzten, reiche jedoch nicht aus, machten die Unternehmensvertreter in Düsseldorf deutlich. Weitere Effizienzsteigerungen seien notwendig. Genannt wurde unter anderem der Austausch alter Ölheizungen gegen eine moderne Gasbrennwerttechnik in Verbindung mit Solarthermie.

Anreize für CO2-Einsparungen nötig

Vor diesem Hintergrund betonte Henning Deters, Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG, dass die Kopplung der einzelnen Sektoren Strom, Wärme und Mobilität zu kurz greife. Es müssten auch Anreize für CO2-Einsparungen geschaffen werden. Eine Forderung, die auch Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandvorsitzender der Rheinenergie, unterstützte. Insbesondere da es bisher nicht gelungen sei, einen funktionierenden CO2-Zertifikatehandel aufzubauen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung favorisierten Deters, Steinkamp sowie auch Dr. Jörg Bergmann, Sprecher der Geschäftsführung von Open Grid Europe, eindeutig den technologieoffenen Weg des Szenarios „Evolution“. Es sei die betriebs- und volkswirtschaftlich beste Umsetzung, hieß es. Alles auf eine energiepolitisch vorgegebene Karte zu setzten, komme dagegen Zockerei gleich, da man nicht mehr richtig reagieren könne, wenn sich Eckdaten veränderten. Alle drei betonten, dass man gute Argumente habe, denen sich auch die Politik bei vernünftiger sachlicher Betrachtung nicht entziehen könne. (len)