Ein Installationsschiff im Baugebiet des Offshore-Windparks Nordsee Ost. Das Projekt von RWE Innogy gehört zu denjenigen, deren Netzanschluss sich durch Tennet verzögern wird. RWE Innogy

VIK: Offshore-Ausbau stoppen

Die Interessenvertretung der Industrie rät ab, Offshore-Parks ohne Aussicht auf Netzanbindung weiterzubauen.

Heute berät das Kabinett über eine Umlage für die Haftung von Risiken, die der Ausbau der Stromerzeugung auf hoher See erzeugt. „Für die Einbeziehung sich bereits abzeichnender Verzögerungsfälle sind Entschädigungszahlungen von etwa 1 Mrd. € zu erwarten“, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus dem Gesetzentwurf.

VIK, die Interessenvertretung industrieller und gewerblicher Energiekunden in Deutschland, kritisiert den Entwurf und fordert eine Ablehnung: „Wind-Offshore-Strom, der gar nicht produziert wird, die Kunden dafür aber zur Kasse zu bitten, sollte von der Bundesregierung nicht im falschen Energiewendeaktionismus gefördert werden“, so Dr. Annette Loske, Hauptgeschäfts­führerin des VIK. „Es dient sicher nicht der Akzeptanz und damit auch dem möglichen Erfolg der Energiewende, die Verbraucher dafür zahlen zu lassen, wenn Investitionen ins Leere laufen, weil ein wesentliches Element – der Abtransport der Produktion – nicht klappen kann. Solche zusätzlichen Belastungen dürften eher schaden als nützen“, so Dr. Loske weiter.

Die finanziellen Ressourcen der Stromkunden seien begrenzt. Logisch wäre, den Netzausbau als erstes auf den Weg zu bringen und dann die neuen Kraftwerke. Eine einseitige Begünstigung der Windparkbetreiber schade dem Projekt Energiewende.

Dr. Loske brachte Beispiele der Kostenbelastung: So liege die Belastung eines Mittelständischen Papierunternehmens (Strombedarf 250 Mio. kWh/Jahr)
für die Finanzierung nicht produzierten Stroms bei 127.000 €/Jahr. Bei der energieintensiven Grundstoffproduktion (Strombedarf 1250 Mio. kWh/Jahr)
steige die Finanzierung nicht produzierten Stroms auf 627.000 €/Jahr. Der Haushaltskunde (Strombedarf von 3500 kWh/Jahr) zahle für die Finanzierung nicht produzierten Stroms 8,75 €/Jahr.

Die Hauptgeschäfts­führerin des VIK machte deutlich, dass selbst bei einem mittleren Unternehmen mit höherem Energiebedarf die neue Belastung etwa zwei Arbeitsplätzen entspreche. (al)