Blick vom Rathausturm über Gera, mit 95 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Thüringens. Bild: Schorle / Wikipedia.de

VKU widerspricht Roland-Berger-Studie

Gera ist ein Einzel- und Extremfall, der sich nicht auf alle Stadtwerke übertragen lasse, so der VKU. Auch die Ergebnisse zur Effizienz der Unternehmen seien fragwürdig.

Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in einer aktuellen Erhebung „Deutsche Energiewirtschaft 2014" rund 500 Energieversorger unter die Lupe genommen – von den großen Verbundunternehmen über regionale Anbieter bis hin zu Stadt- und Gemeindeversorgern. Analysiert wurden darin Finanzlage, Effizienz von Produktionsprozessen sowie Geschäftsmodelle der einzelnen Firmencluster.

Roland-Berger-Partner Torsten Henzelmann konstatiert den deutschen Energieversorgern eine stark veränderte Rolle seit der Energiewende. „Um in diesem neuen Wettbewerbsumfeld profitabel zu wirtschaften, sollten Energieanbieter effizienter werden und neue Geschäftsmodelle entwickeln“, so sein Rat.

Das Beratungsunternehmen unterscheidet in seiner Erhebung zwischen zwei grundsätzlichen Geschäftsmodellen: integrierte Versorger mit konventioneller Erzeugung und Versorger ohne konventionelle Versorgung. Dabei konnten Versorger mit konventioneller Energieerzeugung ihre Umsätze lt. Studie zwischen 2004 und 2012 um knapp 30 % steigern, diejenigen ohne konventionelle Energieerzeugung um 25 %.

Gleichzeitig sei die Profitabilität der Unternehmen erheblich gesunken: Bei Verbundunternehmen sank die Ebitda-Marge von 25 % im Jahr 2004 auf 16 % bis 2012. Bei regionalen und lokalen Versorgern sei sie im gleichen Zeitraum von 22 auf 15 % gefallen. Hauptsächlich sei der Margeneinbruch auf die niedrigeren Gewinne mit konventionellen Anlagen wie Kohle- oder Gaskraftwerke zurückzuführen. Doch auch die erneuerbaren Energien hätten „bislang noch keinen maßgeblichen Ergebnisbeitrag geliefert“, so Henzelmann. Zudem würden die regulatorischen Veränderungen im Netzbereich die Branche auf die Probe stellen.

Nach Ergebnissen der Studie sind privatwirtschaftlich geführte Stadtwerke erfolgreicher als Stadtwerke in kommunaler Hand. So erreichten demnach die privatwirtschaftlich geführten 2012 eine Kapitalrendite – dem sog. Return on Capital Employed (Roce) – von mehr als 20 %, während Stadtwerke in kommunaler Hand bei knapp 10 % liegen. Der Roce misst, wie effizient und profitabel ein Unternehmen mit seinem eingesetzten Kapital umgeht. „Private Energieunternehmen arbeiten profitabler und setzen ihr Kapital gewinnbringender ein als Versorger, die mehrheitlich in öffentlicher Hand liegen“, schließt Henzelmann daraus.  Allerdings sei der allgemeine Entwicklungstrend der Branche in den vergangenen Jahren eher negativ ausgefallen: Seit 2004 verlor der Roce der Energieversorger im Durchschnitt 0,15 Prozentpunkte jährlich.

Bei der Effizienzanalyse habe sich herausgestellt, dass größere Stadtwerke allgemein höhere Effizienzwerte erreichen. Mittelgroße und kleine Stadtwerke würden mit den eingesetzten Mitteln einen niedrigeren Umsatz erzielen. Um am Markt zu bestehen, sollten sich Versorger mit passenden Produkten und Dienstleistungen beschäftigen. Partnerschaften und neue Vergütungsmodelle könnten helfen, die Unternehmensergebnisse kurzfristig zu verbessern, so das Fazit der Studie.

Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), widerspricht den Ergebnissen entschieden: "Aus der Untersuchung von Roland Berger kann man nicht ableiten, dass – wie einzelne Medien berichtet haben – nach Gera weitere Stadtwerke insolvenzgefährdet sind. Bei der Untersuchung standen bestimmte Finanzkennzahlen im Fokus, aus denen sich im Wesentlichen die Effizienz der Unternehmen ableiten lassen kann – nicht mehr. Gera ist ein Einzel- und Extremfall! Dieses Beispiel kann man nicht auf die Stadtwerke insgesamt übertragen, auch nicht mit der Untersuchung von Roland Berger."

Die Untersuchung von Roland Berger kommt zudem zu dem Ergebnis, so Reck weiter, dass Unternehmen mit privatrechtlichem Gesellschafterhintergrund erfolgreicher seien als rein kommunale Unternehmen und macht das scheinbar an den jeweiligen Kapitalrenditen fest. Bei der Bewertung der Unterschiede in den Kapitalrenditen privater und rein kommunaler Unternehmen bleibt offensichtlich unberücksichtigt, dass sich Unternehmen der Privatwirtschaft in der Regel nicht an den Verlusten aus den Bereichen ÖPNV oder Bäder beteiligen. Dass kommunale Unternehmen, die auch solche Tätigkeiten ausüben, eine andere Kapitalrendite erzielen als reine Energieversorger, wird niemanden überraschen, sagt aber über die Effizienz der Unternehmen nichts aus.

Aus Sicht des VKU hat man den Eindruck, dass es Roland Berger mit der Untersuchung und den daraus entstandenen Schlagzeilen vor allem um die Gewinnung von Neukunden aus der Energiebranche geht. "Dann sollte das Beratungsunternehmen allerdings differenzierter argumentieren und den Anschein der Diskreditierung der Kommunalwirtschaft als Bestandteil der Daseinsvorsorge unterlassen", kritisiert Reck. (sg)