Die Corona-Pandemie hat auch Folgen für den Klimaschutz.
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Forscher: Post-Corona-Konjunkturprogramme am Green Deal ausrichten

Das Wuppertal Institut nimmt den European Green Deal unter die Lupe. Ist dieser ambitioniert genug? Wie verhalten sich die Pläne der Europäischen Kommission zur Corona-Krise? Antworten verspricht ein Diskussionspapier der Forscher.

Die Post-Corona-Konjunkturprogramme sollten zwingend an den Zielen des European Green Deal ausgerichtet werden. Zudem müsse sichergestellt werden, dass mit dem European Green Deal die teilweise noch wenig konkreten Vorgaben in der weiteren Ausgestaltung präzisiert werden. Nur so könne man hinreichend ambitionierte Ziele erreichen, heißt es in einem aktuellen Diskussionspapier des Wuppertal Instituts. Es trägt den Titel "European Green Deal: Geeignete Grundlage für Konjunkturprogramme im Kontext der Corona-Krise?"und liefert eine Übersicht der bisher gesteckten Ziele und schätzt diese wissenschaftlich ein.

Die Autoren kommen zum Ergebnis, dass die Pariser Klimaziele unter bestimmten Voraussetzungen – etwa bei einer schnellen Reduktion der Emissionen und negativen Emissionen nach 2050 – eingehalten werden könne. Für das 1,5-Grad-Ziel scheint dies allerdings nur unter deutlich weitergehenden Bedingungen möglich. "Von zentraler Bedeutung sind dabei konkrete kurzfristige Maßnahmen zur Emissionsreduktion, also eine deutliche Ambitionssteigerung bis 2030", erläutert Johannes Thema, Projektleiter im Forschungsbereich Energiepolitik in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut.

Anpassungen vornehmen

Die Forscher empfehlen, das bisher nur angekündigte Vorhaben, das bestehende Zwischenziel der EU für 2030 von 40 Prozent Reduktion gegenüber 1990 auf 50 bis 55 Prozent anzuheben, in die Tat umzusetzen. Anpassungen seien vermutlich auch für den Zeitraum nach 2030 notwendig.

Als sinnvoll erachten die Wissenschaftler unter anderem auch eine Gebäudesanierungsoffensive, die Erarbeitung einer Mobilitätsstrategie, die Netto-Null-Emissionen bis zum Jahr 2050 vorsieht sowie die Einführung einer EU-einheitlichen CO2-Bepreisung von Energieträgern in angemessener Höhe und im Zeitverlauf steigend.

Gas: Ambitionierte Ziele setzen

Beim Thema Gas moniert das Wuppertal Institut , dass das Ziel einer schrittweisen Dekarbonisierung unterambitioniert sei und zudem dem Anspruch zuwiderlaufe, bis 2050 klimaneutral zu sein. Es müsse vielmehr darauf hingearbeitet werden, dass das Gas, welches ab 2050 in der EU in Verkehr gebracht werde, zu 100 Prozent klimaneutral sei. Dabei sollten auch die "Vorleistungsemissionen" berücksichtigt werden.