Frankreich setzt im Vergleich zu Deutschland -–auf dem Bild das AKW Philippsburg – weiterhin stark auf Atomkraft. Gerade deshalb ist die Verzögerung des Neubaus Flamanville ein Rückschlag.
Bild: © Daniel Meier-Gerber/EnBW

Frankreichs AKW Flamanville offiziell als "Misserfolg" eingestuft

Was für Berlin der Flughafen ist, ist für Frankreich das Atomkraftwerk Flamanville. Bauzeit und Kosten sprengen alle Planungen.

Angesichts der Schwierigkeiten beim Bau des Atomreaktors in Flamanville am Ärmelkanal hat sich die französische Regierung mit deutlichen Worten eingeschaltet. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire forderte am Montag den Energiekonzern EDF auf, innerhalb eines Monats einen Aktionsplan vorzulegen. Der Bau des Atomreaktors sei ein "Misserfolg" für die französische Kernkraftindustrie, daraus müssten Lehren und Konsequenzen gezogen werden, betonte der Minister bei der Vorstellung eines Berichts über die Ursachen der Rückschläge. Die französische Atomindustrie müsse wieder höchsten Standards entsprechen.

Die Kosten für den Bau des Reaktors waren zuletzt gestiegen und auch die Inbetriebnahme hatte sich mehrere Male verschoben. Als Grund gelten unter anderem Probleme an den Schweißnähten. Der Reaktor wird nicht vor Ende des Jahres 2022 ans Netz gehen. "Der Atomreaktor in Flamanville sollte bei einer Bauzeit von viereinhalb Jahren etwas mehr als drei Milliarden Euro kosten", sagte Le Maire. Der Bau werde nun mehr als zwölf Milliarden Euro kosten und 15 Jahre dauern. Auch der Bau neuer Reaktoren im Land hänge nun von den weiteren Entwicklungen in Flamanville ab, fügte Umweltministerin Elisabeth Borne hinzu. Man habe EDF gebeten, bis Mitte 2021 entsprechende Machbarkeitsstudien für den Bau vorzulegen, werde aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Entscheidung darüber treffen. (dpa/ab)