Jeden Freitag demonstrieren Schüler und Studenten gegen die mangelhafte Klimapolitik der Bundesregierung und Weltpolitik.
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Bevölkerung macht Druck beim Klima- und Umweltschutz

Die Deutschen fordern mehr politischen Aktionismus beim Umweltschutz und der Energiewende. Das beweisen nicht nur die allfreitäglichen Schülerproteste, sondern auch jüngste Befragungen.

In den vergangenen Wochen forderten Schüler und Studenten unter der "Fridays for Future"-Bewegung die Bundesregierung in Sachen Klima- und Umweltschutz zum Handeln auf. Nun meldet sich auch die schweigende Masse zu Wort. Eine Umfrage des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) zeigt: Die Deutschen verlangen immer stärker nach einer Versorgung durch Erneuerbare. Eine EU-Konsultation macht sich währenddessen für den Gewässerschutz stark.

Zwei völlig unterschiedliche Befragungen, ein ähnliches Ergebnis: Der Druck auf nationale Politiker und die EU-Vertreter steigt. Allein zwei Drittel der Deutschen verlangen eine Verpflichtung zur Versorgung durch Erneuerbare im Fall einer Heizungssanierung – zumindest anteilig und sofern technisch zumutbar. Das ist das Ergebnis einer Befragung von über 2000 Bundesbürgern im Auftrag des BSW.

Nur 15 Prozent Erneuerbare in der Wärmeversorgung

Mehr als die Hälfte der Befragten fordert zudem, dass besonders klimaschädliche Öl- und Gasanlagen, die älter als 20 Jahre sind, durch ein effizientes System ersetzt werden müssen. Zu Recht, wie der BSW findet, denn der Anteil von Solar-, Wind- oder Bioenergie an der Wärmeerzeugung stagniert seit Jahren bei unter 15 Prozent.

Damit sich das ändert, müsse das Klimaschutzgesetz schnellstmöglich verabschiedet und verbindliche Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Gebäudebereich festgelegt werden, so der Verband. Dabei stehen "Förderung und Forderung" im Mittelpunkt, betont BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig: "Wirksame Lösungen liegen seit langem in der Schublade und harren ihrer Umsetzung: Von der im Koalitionsvertrag vorgesehenen steuerlichen Förderung, über die Einführung einer aufkommensneutralen CO2-Bepreisung bis hin zu moderaten und sozial abgefederten gesetzlichen Mindeststandards auch im Gebäudebestand."

Gewässersschutz konsequent einhalten

Während die einen für die Verschärfung von Anforderungen plädieren, geht es den Beteiligten der EU-Konsultation zur Bewertung der geltenden EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) um den Erhalt der Vorgaben zum Gewässerschutz. 375.386 Bürger haben in den vergangenen Wochen europaweit ihre Stimme abgegeben, um sich für die Einhaltung der EU-Ziele einzusetzen.

Mit 167.302 Stimmen ist Deutschland Spitzenreiter in der EU-weiten Bürgerbeteiligung. Das vermeldete ein Bündnis aus zahlreichen Umwelt- und Naturschutzverbänden, wie der DUH, dem BUND oder dem NABU, die für die öffentliche Beteiligung an der Konsultation geworben haben.

Nur 8,2 Prozent der Gewässer in gutem Zustand

Die WRRL soll Flüsse, Seen und Küsten einschließlich Flora und Fauna sowie das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen. Derzeit sind nur 8,2 Prozent der deutschen Gewässer in einem guten Zustand. Die Bundesregierung ist damit weit entfernt vom beschlossenen Ziel, alle Gewässer bis 2027 auf ein gutes Level zu bringen. (ls)