Das GuD-Kraftwerk Knapsack II in Hürth bei Köln zählt zu den modernsten und umweltfreundlichsten Anlagen Europas. Bild: Siemens

BMWi: Keine Eile bei Kapazitätsmärkten

Ohne Kapazitätsmechanismen wird’s nicht gehen. Allerdings sollte der Eingriff europäisch abgestimmt werden und nicht überhastet erfolgen.

So der Tenor einer Expertenrunde, die von der Deutsche Energie Agentur (Dena) am Donnerstag zur "Weiterentwicklung des Strommarktdesigns im europäischen Kontext" an einem Tisch versammelt wurde. Vor Schnellschüssen bei der Einführung von Kapazitätsmärkten warnte dort der Leiter des Referats Versorgungssicherheit, Kraftwerke, Stromgroßhandelsmarkt im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), Michael Schultz. "Es ist mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln", zitierte Schultz die aus seiner Sicht entscheidende Stelle aus dem vorläufigen Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. Bei der Suche nach Lösungen für den sich abzeichnenden Mangel an flexibel einsetzbaren konventionellen Kraftwerken ab 2020 sei keine Eile geboten.

Das hochkomplexe Thema, zu dem eine Reihe von Vorschlägen aus der Fachwelt vorliegt, verlange nach profunder Analyse. Die Ergebnisse zweier Studien, einmal zur Leistungsfähigkeit des Stromgroßhandelsmarktes, zum anderen eine vergleichende Folgenabschätzung der vorliegenden Marktmodelle, werden für das kommende Frühjahr erwartet. Sie sollen die Grundlage für eine "aufgeklärte Diskussion" über die Modelle liefern, so Schultz. Auf "europäische Verankerung" des künftigen Marktdesigns sei zu achten. Vor dessen Einführung sei eine Entscheidung über die EEG-Reform nötig.

Aus Sicht der Dena ist die Energiewende bisher zu wenig in Europa verankert. Chancen, sie effizient umzusetzen, würden dadurch vergeben, so die Bereichsleiterin Energiesysteme und Energiedienstleistungen, Annegret-Cl. Agricola. "Grenzüberschreitendes Denken" wäre speziell beim Thema Versorgungssicherheit ratsam. In die Überlegung, wie man die Jahreshöchstlast künftig abdecken will, welche Backup-Kapazitäten also benötigt werden, müssten Stromimporte grundsätzlich miteinbezogen werden. "Man sollte das aber vertraglich absichern."

Gleichwohl warnte Dr. Sven Bode, Gründer und Head of Research des Arrhenius Institut für Energie- und Klimapolitik davor, das Importpotenzial zu überschätzen. Gerade an Winterabenden mit sehr geringer Windenergieeinspeisung sei auch in den Nachbarländern in Zukunft mit Unterdeckung zu rechnen. Deshalb sollte jedes Land seinen Kapazitätsbedarf mit Blick auf die Versorgungssicherheit national festlegen, wenn auch im Austausch mit den Nachbarn. Dagegen sollte die Ausgestaltung der Regeln für die Kapazitätsbeschaffung einheitlich erfolgen. "Hier ist das Spielfeld für die europaweite Diskussion." Die Frage, ob Kapazitätsmechanismen überhaupt benötigt werden, hält Bode für überholt. "Es ist ein Irrglaube, dass es der Markt allein regeln kann." (hf)