Die EU-Kommission hat Maßnahmen ergriffen, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei recycelten Kunststoffen zu verbessern.
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EU-Kreislaufwirtschaft: Es bleibt noch viel zu tun

Die EU-Kommission berichtet überwiegend positiv über die Umsetzung des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Dennoch fehlen in sehr vielen Bereichen ganzheitliche Ansätze.

Die Europäische Kommission hat einen umfassenden Bericht über die Umsetzung des von ihr im Dezember 2015 angenommenen Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft veröffentlicht. Seine 54 Aktionen seien angelaufen oder bereits abgeschlossen. "Die Kreislaufwirtschaft ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass unsere Wirtschaft Kurs auf Nachhaltigkeit nimmt und die globalen Ziele für nachhaltiges Wachstum in die Tat umsetzt", erklärte Frans Timmermans, für nachhaltige Entwicklung zuständiger Erster Vizepräsident der Europäischen Kommission. "Dieser Bericht zeigt, dass Europa als Wegbereiter für den Rest der Welt vorangeht. Gleichzeitig besteht weiterhin Handlungsbedarf, um sicherzustellen, dass unser Wohlstand innerhalb der Belastbarkeitsgrenzen unseres Planeten gemehrt und der Kreis geschlossen wird, damit unsere kostbaren Ressourcen nicht vergeudet werden."

Mehr Kunststoffrecycling

Mit dem Aktionsplan wird der Übergang von der linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft in Europa vollzogen. Zu den Maßnahmen gehört unter anderem die EU-Strategie für Kunststoffe. In dem Rahmenkonzept ist eine Vision mit quantifizierten Zielen auf EU-Ebene formuliert, damit bis 2030 alle Kunststoffverpackungen, die in der EU auf den Markt gelangen, wiederverwendbar oder recyclingfähig sind.

Zur Förderung des Markts für recycelte Kunststoffe hat die Kommission eine Kampagne zur freiwilligen Selbstverpflichtung gestartet. 70 Unternehmen sind entsprechende Vereinbarungen eingegangen, wodurch der Markt für recycelte Kunststoffe bis 2025 um mindestens 60 Prozent wachsen wird. Es besteht in diesem Segment jedoch weiterhin eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Deshalb hat die Kommission eine Allianz für die Kunststoffkreislaufwirtschaft von wichtigen Interessenträgern aus der Industrie ins Leben gerufen, die recycelte Kunststoffe anbieten und nutzen.

Effiziente Abfallentsorgung

Umweltgerechte Abfallbewirtschaftungssysteme sind ein wesentlicher Baustein der Kreislaufwirtschaft. Um die Modernisierung voranzubringen, ist im Juli 2018 ein überarbeiteter Rechtsrahmen für Abfälle in Kraft getreten. Dieser umfasst unter anderem neue ehrgeizige Recyclingquoten, einen klareren rechtlichen Status für Recyclingmaterialien und verstärkte Maßnahmen zur Abfallvermeidung und -bewirtschaftung unter Einbeziehung von Meeres- und Lebensmittelabfällen sowie Produkten, die kritische Rohstoffe enthalten.

Intelligentes Design am Anfang des Lebenszyklus eines Produkts ist eine entscheidende Voraussetzung für dessen Kreislauffähigkeit. Mit der Umsetzung des Ökodesign-Arbeitsprogamms 2016–2019 hat die Kommission das kreislauforientierte Design von Produkten sowie die Energieeffizienzziele weiter gefördert. Maßnahmen zum Ökodesign und zur Energieverbrauchskennzeichnung für mehrere Produkte enthalten nun Vorschriften zu den Anforderungen an die Materialeffizienz, wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die Erleichterung von Reparaturen und die Behandlung am Ende des Lebenszyklus.

Unumkehrbarer Megatrend

Die Kreislaufwirtschaft ist heute ein unumkehrbarer, globaler Megatrend, stellt die EU-Kommission fest. Sowohl auf EU-Ebene als auch weltweit besteht jedoch weiterhin großer Handlungsbedarf, damit der Kreislauf vollständig geschlossen wird und die Wettbewerbsvorteile genutzt werden können, die die Kreislaufwirtschaft den Unternehmen in der EU bietet. Zur Umsetzung der überarbeiteten Abfallvorschriften und zur Entwicklung der Märkte für Sekundärrohstoffe sind verstärkte Bemühungen erforderlich.

Der Informationsaustausch mit den Interessenträgern habe ergeben, dass einige Bereiche, die bislang noch nicht im Aktionsplan berücksichtigt waren, ebenfalls für die Einbeziehung in die Kreislaufwirtschaft infrage kommen könnten. Anhand des Beispiels der europäischen Strategie für Kunststoffe könnten zahlreiche andere Sektoren mit hoher Umweltbelastung und einem Potenzial für Kreislauffähigkeit wie zum Beispiel IT, Elektronik, Verkehrssysteme, bebaute Umwelt, Bergbau, Möbel, Lebensmittel und Getränke oder Textilien von einem ähnlich ganzheitlichen Ansatz profitieren. (hp)