Niedrigster Energieverbrauch seit 24 Jahren

In diesem Jahr wird Deutschland voraussichtlich so wenig Primärenergie verbrauchen wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Nach einer ersten Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen verbraucht Deutschland im laufenden Jahr umgerechnet 3639 Mrd. kWh Primärenergie in den Sektoren Strom, Wärme, Industrieprozesse und Verkehr.

Das wäre der niedrigste Energieverbrauch, den das seit 1990 wiedervereinigte Deutschland je hatte, und ein Rückgang um 5 % gegenüber 2013. Der Befund ändert sich nach Einschätzung des Expertengremiums nur dann noch spürbar, wenn jetzt noch früh eine Kälteperiode einbräche und lange anhielte. Die AG Energiebilanzen rechnet auch schon damit, dass Deutschland im Gesamtjahr "in ähnlicher Größenordnung" weniger Treibhausgas CO2 ausstößt. Hauptursache war das milde Wetter. Auch ohne dessen Herausrechnung würde der Konsum gegenüber 2013 um 2 % sinken. Die "eher schwache" Konjunktur dagegen wirkte sich nach Meinung der AG Energiebilanzen kaum aus.

Die Entwicklung verlief je nach Sektor in den ersten drei Quartalen zum Teil gegenläufig: So ist die Energiewende im Transportsektor alles andere als angekommen, im Gegenteil: Es wurde 2 % mehr Diesel abgesetzt. Insgesamt legten Kraftstoffe um 1 % zu. Nur Kerosin unterlag einem allerdings "geringen" Rückgang. Wegen eines "kräftigen" Minus beim Heizölabsatz verbrauchte Deutschland aber insgesamt 3 % weniger Mineralöl: 940 Mrd. kWh.

Der Erdgasverbrauch ging bis Ende September gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut 18 % auf 523 Mrd. kWh zurück. Damit lag die Abnahme in der Größenordnung des ersten Quartals von –24 %. Auch die Kraft-Wärme-Kopplung und die chemische Grundstoffindustrie zogen weniger Gas. Der Anteil an Erdgas am Primärenergieverbrauch rutschte somit von knapp 23 % (Januar bis September 2013) unter die 20 %.

Die Erneuerbaren erzeugten 1,6 % mehr Energie. Damit deckten sie 11,2 (10,3) % des Primärenergiebedarfs ab – aber immer noch oder erneut weniger als die Braunkohle, die 12,2 % betrug (2013 etwas weniger). Im Strommix kletterte die Regenerativen-Quote von 25 % auf 28 %. Damit erreichte Deutschland die Erneuerbaren-Quote von 27 %, die jüngst der EU-Klimagipfel für 2030 für die gesamte Union beschlossen hatte – doppelt so viel wie derzeit in der EU.

Windkraft und Solarenergie legten überdurchschnittlich zu (knapp +16 % und +15 %). Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) ließ um 18 % nach. (geo)