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Viel Beton, wenig Grün

Starkregen: Ereignisse von schweren Schauern und Sturzfluten nehmen zu. Nötig ist, dass alle kommunalen Kräfte zusammen einen Maßnahmenplan erarbeiten.

Das Jahr 2016 war geprägt von vielen Starkregenereignissen. Im Mai/Juni kam es zu zahlreichen Sturzfluten in Süddeutschland, vor zwei Tagen standen in Berlin die Straßen unter Wasser, weil innerhalb von zwei Stunden die Wassermenge, die sonst innerhalb eines Monats fällt, vom Himmel stürzte.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat nun im Rahmen einer Pressekonferenz auf das Thema hingewiesen und notwendige wie sinnvolle Weichenstellungen angeregt. "Die Häufigkeit sowie die Intensität der Starkregenfälle nimmt zu", machte VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche deutlich. Doch die öffentliche Hand hat sich bei Planung und Bau der Infrastruktur an Durchschnittswerten orientiert. Muss sie auch, schließlich können Beitragszahler nicht über Gebühr belastet werden.

"Die kommunalen Wasserbetriebe machen schon sehr viel für vorbeugende Maßnahmen", so Reiche. Landauf, landab werden von den Entsorgungsbetrieben Rückhaltebecken und Retentionsflächen angelegt. Schließlich ist das Problem von Starkregenereignissen das Überfluten der Gullys. Denn die Fracht an Ästen und Laub verstopft die Löcher der Gullys und das Wasser sucht sich seinen Weg durch die Straßen.

Von daher ist es für die Zukunft wichtig, dass alle kommunalen Spitzenkräfte einer Stadt, also Stadtplaner, Tiefbauer, Grünflächen-Experten und auch Architekten zusammen mit den Wasserexperten der Wasserbetriebe einen gemeinsamen Plan entwickeln, um die Risikogebiete einer Stadt darzustellen und zu versuchen, sie mit Maßnahmen zu entschärfen, erklärte Otto Schaaf, Vorstand der Stadtentwässerungsbetriebe Köln und Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Da in der Regel die Versiegelung in einer Stadt sehr hoch ist, sollte in Zukunft mehr Freifläche eingeplant werden. Zudem sollte das Wasser oberflächlich hin zu Senken und Retentionsflächen geführt werden wie beispielsweise Spielplätzen. Wichtig sei es in diesem Zusammenhang auch, die Bordsteine nicht abzusenken, da diese mit zehn bis 15 Zentimeter eine natürliche Barriere darstellen. Insgesamt sollte jede Stadt eine Art Risikokarte erstellen, mit der bei Starkregen besonders gefährdeten Areale dargestellt werden, die dann durch Vorsorgemaßnahmen entschärft werden.

Dies alles geht natürlich nicht ohne Mittel. Aus dem Grund der besonderen Gefährdung durch Starkregen sollte laut VKU die kommunale Niederschlagsbewirtschaftung von der Bundesregierung gefördert werden und zwar im Rahmen der Anpassungsstrategie an den Klimawandel. "Wir können keinen 100-Prozent-Schutz geben", machte Schaaf deutlich. Eine Überflutungssicherheit gibt es in der Siedlungsentwässerung nicht. Doch die Risiken können durch sinnvolle Maßnahmen reduziert werden.

Das Kanalnetz in Deutschland ist sehr gut ausgebaut und umfasst eine Länge von fast 600 000 Kilometer. Der Bau eines Meters Kanal schlägt mit einer Summe von 1500 Euro zu Buche, eine Ertüchtigung wird mit etwa 400 Euro pro Meter bemessen. Die Schäden durch Starkregenereignisse werden immer umfangreicher: Nach Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft verursachte der Sommersturm Zsuzsanna im Jahr 2008 einen Schaden von 55 Mio. Euro. Norbert im Jahr 2013 richtete Verwüstungen in Höhe von 140 Mio. Euro an und Quintia im Jahr 2014 brachte es gar auf ein Niveau von 200 Mio. Euro. (al)