Sieben Fernwärmeversorger unter Verdacht

In Niedersachsen haben sieben Fernwärmeversorger die Aufmerksamkeit der dortigen Landeskartellbehörde erregt und müssen nun ihre Preise rechtfertigen.

Die Landeskartellbehörde Niedersachsen hatte – wie bereits andere Kartellbehörden zuvor – am 19. Juni 14 eine Sektoruntersuchung des dortigen Fernwärmemarktes eingeleitet. Zuvor habe es Beschwerden von Bürgern über "vermeintlich überhöhte Fernwärmepreise" gegeben. Von 58 niedersächsischen Fernwärmeversorgern mussten 27 Versorger die geforderten Unterlagen einreichen, die restlichen 31 lagen unter der Bagatellgrenze von 2 GWh Absatzmenge an private Endverbraucher und mussten nicht teilnehmen.

Der Abschlussbericht zur Marktuntersuchung des "Fernwärmemarkts Niedersachsen ergibt": Zum Stichtag 31. Dez. 13 betrieben die teilnehmenden Versorger in dem Bundesland 143 Fernwärmenetzgebiete. Die Gesamtlänge lag demnach bei 1650 km. Die Versorgungsunternehmen betrieben ferner 159 Eigenanlagen zur Fernwärmeerzeugung. Mit 54 % war der überwiegende Anteil der Fernwärme jedoch fremdbezogen, wenn auch teils aus konzernverbundenen Unternehmen, so die Behörde. Bei einer Absatzmenge von 3971 GWh Fernwärme an private Endverbraucher für das Jahr 2013, geht die LKartB davon aus, dass über 10 % der Einwohner Niedersachsens mit Fernwärme versorgt werden.

Das bisherige Gesamtinvestitionsvolumen der niedersächsischen Fernwärmeversorger in die Netzanlagen lag bei rd. 500 Mio. € und in Erzeugungsanlagen bei 600 Mio. €. Die Summe der Aufwendungen im Geschäftsjahr 2013 belief sich auf 350 Mio. €. Davon entfielen 54 % auf Brennstoffe bzw. auf Fernwärmebezug, 16 % auf Erzeugungsanlagen. Damit gehen 70 % der Gesamtkosten an die Erzeugung von Fernwärme. Lediglich 12 % der Gesamtkosten wurden direkt den Fernwärmenetzen und damit der Fernwärmeverteilung zugeordnet.

Bei der Ermittlung der Preisabweichungen gab es bei 71 Preistypfällen Abweichungen von 20 % und mehr über den jeweiligen Mittelwert. Die größte Abweichung lag bei 50 % über dem Durchschnitt. Diese 71 Preistypfälle ließen sich auf sieben Versorger reduzieren, heißt es in dem Bericht der Landeskartellbehörde weiter.

Diese sieben Versorger stehen demnach bei der Behörde im Verdacht, missbräuchlich überhöhte Preise von ihren Kunden zu verlangen. Das LKartB hat sie nun aufgefordert, ihre Preise zu rechtfertigen. Die Behörde weist aber auch darauf hin, dass Preisunterschiede der Fernwärmeversorger durch eine Vielzahl von Gründen gerechtfertigt sein könnte.

Sollte sich jedoch der Verdacht auf überhöhte Preise erhärten, könne man eine Preissenkungsverfügung gegen diese Versorger erlassen, so die LKartB. (sg)