Neun Gasnetzbetreiber am Pranger

Das Gas-Marktgebiet NCG hat erstmals Netzbetreiber gemäß Kooperationsvereinbarung V an den Internet-Pranger gestellt.

Der Marktgebietsbetreiber rechnete erstmals gemäß Kooperationsvereinbarung V die Netzkonten von 37 der 501 angeschlossenen Ferngas- und Verteilnetzbetreiber ab. Nach seiner Ansicht müssen die 37 Unternehmen für den Abrechnungsmonat Oktober 2012 Abschlagszahlungen in Gesamthöhe von ca. 3,1 Mio. € leisten. Diese werden ihnen bei der noch ausstehenden Mehr-/Mindermengenabrechnung (MMMA) angerechnet.

Bei neun Gasnetzbetreibern lagen die Gas-Ein- und -Ausspeisemengen im Netzkonto der Netzbetreiber bei dem Marktgebiet, geteilt durch die allokierte (angemeldete) Zahl der nicht leistungsgemessenen Gaskunden (SLP-Kunden gemäß Standardlastprofilen), um mehr als 50 % auseinander: Eneregio (Energiewerke von Kommunen im Kreis Rastatt), HEW Hof Energie+Wasser GmbH, Kommunale Netzgesellschaft Südwest (Pfälzische Kommunen, die ihre Netze an die Technischen Werke Ludwigshafen verpachten) sowie die nicht entflochtenen Netzbereiche der Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld, Langen und Wunstorf. Vier Netze waren demnach im Oktober 2012 um >50 % unterspeist, zwei Netze entsprechend überspeist.

In der Veröffentlichung des anderen Marktgebiets Gaspool werden drei dieser sechs Netzbetreiber mit der spiegelbildlichen Abweichung (Überschreitung des Netzkontos statt Unterschreitung oder umgekehrt) angeprangert. Hinzu kommen die Stadtwerke Landstuhl (Pfalz), der Infrastrukturbetrieb der Stadt Arneburg, die Erdgasversorgung Industriepark Leipzig Nord und die Stadtwerke Neustadt in Holstein.

Einer der Netzbetreiber rechtfertigte sich gegenüber der ZfK damit, dass er die Abweichungen nicht verhindern könne, da er an beide Marktgebiete physisch angeschlossen ist. Der physische Querfluss zwischen den Marktgebieten sei aus Gründen der Versorgungssicherheit und eines effizienten Netzbetriebs nicht zu vermeiden. Betrachte man die Marktgebiete addiert, saldierten sich die Abweichungen weitgehend auf 10 %.

NCG und Gaspool sind regulatorisch gezwungen, solche Netzbetreiber an den Internet-Pranger zu stellen und der Bundesnetzagentur zu melden. Davon und vor allem von den monatlichen Netzkontenabrechnungen versprechen sich Gesetzgeber und Regulierungsbehörde eine höhere Datenqualität zwischen Netzbetreibern und Marktgebietsverantwortlichen, die den auf alle Transportkunden umgeschlagenen Bedarf an Regelenergie zur Stabilisierung der Gasnetze senken soll. Indes hat NCG trotz besserer Datenqualität im Oktober 2012 gegenüber dem Vorjahresmonat fast ebenso viel Regelenergie einkaufen müssen. Der Marktgebietsbetreiber verspricht sich die positiven Effekte erst später, da sich die Netzbetreiber auf das neue Anreizsystem erst einstellen müssten. (geo)