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06 Dezember 2016 | 11:30

Freiwillige vor für die Stromnetz-Landkarte

Punkt 63084505 auf der OpenGridMap: Einer Solaranlage in der Nähe der TU München., Bild: OpenGridMap / TUM
Bild: OpenGridMap / TUM
Punkt 63084505 auf der OpenGridMap: Einer Solaranlage in der Nähe der TU München.
Die TU München erstellt mit unbezahlten Helfern eine detaillierte Karte zur Infrastruktur von Stromnetzen – und zwar weltweit. Was damit möglich ist:

Derzeit sind hunderte von Freiwilligen unterwegs: Sie streifen durch München, Berlin, Tokio oder Teheran und machen Fotos von der elektrischen Infrastruktur der jeweiligen Orte, die sie samt Standortdaten an die Technische Universität München (TUM) schicken. Dort werten Experten die Bilder von Hochspannungs- und Niederspannungsleitungen, Trafohäuschen, Umspannungseinrichtungen, Windrädern und Solaranlagen aus und klären die Frage, ob es sich wirklich um die dargestellten Objekte handelt.

Wurden sie verifiziert, werden sie in die Open-Source-Landkarte hochgeladen. Dort verdichte sich das Netz der verifizierten Stromnetze zunehmend, vermeldet die Universität. Bisher fehle nämlich eine solide Datenbasis zu Stromnetzen. "Natürlich kennt jeder Energieversorger seine Netze, aber es gibt viele Energieversorger und nur wenige machen ihre Daten öffentlich zugänglich", sagt Jose Rivera, Leiter des Projekts "OpenGridMap". In Schwellenländern kommt ihm zufolge erschwerend hinzu, dass diese Informationen oft nicht einmal digitalisiert sind.

Eine Firma zu beauftragen, die Infrastruktur für komplette Kontinente oder gar die ganze Welt zusammenstellen, ist laut TUM für die Forscher unbezahlbar. Daher haben sie für den Google Playstore eine Open-Grid-Map-App entwickelt, mit der Freiwillige entsprechende Objekte kartieren können. Von null müsse man nicht anfangen, schon seit mehr als zehn Jahren sammele eine "Community von Freiwilligen" Daten für die Wiki-Weltkarte.

Die Informationen aus dem Projekt sollen Ingenieuren und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt zur Verfügung stehen. "Man könnte untersuchen, ob es möglich ist, ein Bundesland wie Bayern energieautark zu machen", erläutert Prof. Hans-Arno Jacobsen, Leiter des TUM-Lehrstuhls Energieinformatik und Middleware, ein Anwendungs-Beispiel.

Auch lasse sich damit simulieren, wie sich die Einspeisung von Erneuerbaren auf das Gesamtnetz auswirke, wo Engpässe oder Überkapazitäten entstünden und wo Speicher gebaut werden könnten. In Garching etwa, wo besonders viele Freiwillige unterwegs seien, haben die Forscher mit Hilfe eines neuen Algorithmus die Lage der unterirdischen Leitungen berechnet, die zu den Häusern führen.

Auch für Schwellen- und Entwicklungsländer dürfte die Map interessant sein: Wer dort die Infrastruktur verbessern wolle, erkenne auf einen Blick, wie weit ein Dorf von der nächsten Stromleitung entfernt sei. Einen namhaften Mentor gibt es mit Siemens bereits und auch die Weltbank unterstützt das Vorhaben. Daneben wird es vom Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. (sg)


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Prozent geringer als im Vorjahreszeitraum war die Stromproduktion aus deutschen Kernkraftwerken in den ersten drei Monaten des Jahres. Als Ursache wnennt die
AG Energiebilanzen veränderte Revisionsplanungen.