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14 September 2017 | 10:40

Mikrobeben war weit von der Bohrung entfernt

Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München, auf dem Geothermiekongress 2017, © Stefan Weber
© Stefan Weber
Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München, auf dem Geothermiekongress 2017
Der Geothermiekongress 2017 in München stand im Zeichen eines Erdbebens vergangene Woche im nahen Poing.

Unter dem Eindruck eines Mikrobebens im nahe gelegenen Poing vergangene Woche findet in München gerade der Geothermiekongress 2017 des Bundesverbands Geothermie statt. „Eine unmittelbare Schuld der Geothermieanlage Poing am Mikrobeben ist nicht feststellbar“, erklärte Prof. Inga Moeck vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (Liag). Das Epizentrum des Bebens habe mehrere hundert Meter von der Geothermieanlage entfernt gelegen.

Wie ein Lastwagen auf unebener Straße

„Wir können nichts beweisen und nichts widerlegen“, so Moeck. Prinzipiell könnten an Geothermiestandorten Mikrobeben entstehen. Weitgehend auszuschließen sei aber eine Gefahr für Leib und Leben. Die Bodenschwingungen, die in Poing entstanden sind, lagen nach Angaben Moecks bei 1,6 mm pro Sekunde – das sei ein Wert, der entstehe, wenn ein Lastwagen über eine unebene Straße fährt und liege jedenfalls weit unter dem Grenzwert von 5 mm, bei dem laut einer Din-Norm Schäden an Gebäuden eintreten können.

Doch Beben sind nicht das einzige Problem, mit dem die Geothermie kämpfen muss. Der Präsident des Bundesverbands Geothermie, Dr. Erwin Knapek, der für eine dritte Amtszeit bestätigt wurde, beklagte die Folgen des Standortegesetzes, mit dem nach einem Endlager für Atommüll gesucht wird – auf einer „weißen Landkarte“, also praktisch im gesamten Bundesgebiet. „Die Geothermie ist der Kollateralschaden der Nuklearindustrie“ erklärte Knapek. Jede Bohrung, die tiefer als 100 Meter geht, muss zusätzlich zu den bisherigen Genehmigungen erst vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) geprüft werden. Diese Behörde sei aber erst im Aufbau; Bescheide könnten sich daher um Monate verzögern.

Bieberbach: Erneuerbare in Ballungsräume bringen

Appelle an die Politik gab es auch von Florian Bieberbach, Chef der Stadtwerke München. Wer Erneuerbare in Ballungsräume bringen will, könne das nicht über Lösungen erreichen, die sich nur auf Einfamilienhäusern realisieren lassen – diese seien viel zu teuer. Volkswirtschaftlich erheblich günstiger seien erneuerbare Energien in Wärmenetzen, vor allem durch Geothermie. Dafür sei aber das Fördersystem in Deutschland nicht ausgelegt. Wichtig sei, „in Quartieren zu denken“ und die Förderung für Wärme aus erneuerbaren Energien vergleichbar zu machen mit der Förderung für Kraft-Wärme-Kopplung. (wa)

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