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26 Februar 2016 | 11:00

Erzeugung und Nahrungsmittel verknüpfen

Mit der Agrophotovoltaik soll eine ressourceneffiziente Doppelnutzung von Agrarflächen erreicht werden. Die TWS versprechen sich hierdurch auch künftige neue Geschäftsfelder., Grafik: Fraunhofer ISE
Grafik: Fraunhofer ISE
Mit der Agrophotovoltaik soll eine ressourceneffiziente Doppelnutzung von Agrarflächen erreicht werden. Die TWS versprechen sich hierdurch auch künftige neue Geschäftsfelder.
In der sogenannten Agrophotovoltaik sehen die Technischen Werke Schussental (TWS) ein mögliches künftiges Geschäftsfeld.

Die Idee ist, dass speziell aufgeständerte Photovoltaikanlagen an Obstbauern verpachtet werden, die darunter Apfelplantagen bewirtschaften. Gemeinsam mit Projektpartnern, darunter das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf, wird momentan ein Förderantrag an das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft vorbereitet. „Wir bieten mit dem TWS-Energiedach bereits ein Pachtmodell für Hausbesitzer, die ihren eigenen Strom erzeugen möchten. Sind wichtige Fragen geklärt, ließe sich diese Idee auch auf ein Partnerschaftsmodell mit der Landwirtschaft ausdehnen“, so TWS-Geschäftsführer Dr. Andreas Thiel-Böhm. Zudem könnten so auch den Landwirten zusätzliche Einkommensmöglichkeiten ermöglicht und der Flächenkonflikt zwischen Nahrungsmittelerzeugung und erneuerbarer Energieerzeugung entschärft werden. „Das Projekt bietet enormes Potenzial für unsere Region. Denn es geht um eine sinnvolle Doppelnutzung von Agrarflächen, die gleichzeitig den Klimaschutz voranbringt“, unterstreicht Thiel-Böhm.

Bei der Agrophotovoltaik (APV) werden sogenannte bifaciale Solarmodule, die das Licht auf beiden Seiten auffangen, mit einer speziellen Unterkonstruktion in mehreren Metern Höhe über Obst- oder Hopfenplantagen, Gemüsefeldern oder Äckern aufgeständert. Dabei sind die Module nicht nach Süden, sondern nach Südosten und Südwesten ausgerichtet, um das Sonnenlicht möglichst gleichmäßig auf die schattenverträglichen Kulturen darunter durchzulassen.

„Zudem ist der Abstand zwischen Modulreihen um 30 Prozent größer als bei herkömmlichen PV-Anlagen, damit ausreichend Sonnenlicht durchkommt“, erklärt Projektleiter Stephan Schindele vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme – ISE. Das Freiburger Institut führt derzeit mit Förderung des Bundesforschungsministeriums in einem Projekt APV-RESOLA mit mehreren Partnern, darunter der Baywa r. e., in der Region Bodensee-Oberschwaben Feldtests durch. Auf einem Demeter Betrieb in Herdwangen-Schönach (Landkreis Sigmaringen) beginnt im Spätsommer ein Praxisversuch. Eine speziell aufgeständerte 195 kW PV-Anlage wird hierbei über 0,5 Hektar Gemüsebaufeldern aufgeständert. Entsprechende Vorversuche seien bisher erfolgversprechend verlaufen berichtet Schindele.

Bei dem geplanten Forschungsvorhaben, an der die TWS beteiligt sind, soll dies nun künftig auch für den Obstbau getestet werden. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass PV-Module die Funktion des Hagelschutzes in Obstanlagen mit übernehmen sollen. Die bisherigen Schutznetze entfallen und werden durch Solarmodule ersetzt. Auf diese Weise kann der Nutzen des Hagelschutzes um die Stromproduktion erweitert werden, so die Idee.

Besonders interessant gilt die Agrophotovoltaik darüber hinaus vor allem für aride Regionen des Nahen und Mittleren Ostens, unterstreicht Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group, der den Beirat der APV-RESOLA leitet. Hier biete die neue Systemtechnik Chancen zur Wiederbegrünung und Neuschaffung von landwirtschaftlichen Flächen. Das Interesse in Ländern wie Jordanien oder der Türkei sei groß. Auf der ICCI 2016, der 22. Internationalen Energie und Umweltmesse und Konferenz, die Ende April in Istanbul stattfindet, soll die neue Technik  im Rahmen einer Fachkonferenz vorgestellt werden. (hcn)

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