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27 Oktober 2016 | 10:56

Umbruch bei der EU-Gasversorgung

EWI-Studie: Die Europäische Union (EU) wird auch in Zukunft über eine Vielzahl von Optionen für die Lieferung von Erdgas verfügen.

Trotz eines zu erwartenden Rückgangs bei der europäischen Gasproduktion befinde sich die EU in einer starken Position um ihre Gasimporte zu diversifizieren und die Gasversorgung zu sichern. Dies sind die Kernaussagen einer Studie von EWI Energy Research & Scenarios aus Köln und dem European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) aus London. Die Institute haben die Lieferoptionen der EU der nächsten 20 Jahre aus ökonomischer und geopolitischer Sicht analysiert und Zukunftsszenarien zum EU-Gasmarkt entwickelt.

Der Bericht identifiziert zwei wesentliche Treiber für die gute strategische Position der EU: Erstens erwarten die Autoren einen starken Anbieter-Wettbewerb um den europäischen Markt, da Europa über eine Vielzahl von Lieferoptionen verfügt, wie etwa ein großes LNG-Angebot vom Weltmarkt. Zweitens beflügelt der fortgeschrittene Ausbau der Gasinfrastruktur (LNG-Importanlagen, Pipelines, Speicher) den EU-Binnenmarkt für Gas. Dies gilt insbesondere für Nordwesteuropa und könnte durch weiteren Infrastrukturausbau auch für Südosteuropa erreicht werden. Die rückgängige europäische Gasproduktion wird im Wesentlichen durch eine Zunahme der Erdgasimporte aus Russland sowie von LNG-Importen kompensiert. Letztere könnten sich bis 2035 gegenüber heute mehr als verdoppeln.

Entscheidend für die Preisentwicklung und damit auch für den Versorgungsmix der EU ist die zukünftige Preisstrategie des russischen Exportmonopolisten Gazprom, so die Studie. Aufgrund des großen Wettbewerbs an Lieferoptionen wird Gazprom nur mit wettbewerblichen Preisen seinen Marktanteil vergrößern können. Dagegen würde eine Oligopolstrategie Gazproms zu höheren Gaspreisen führen, was LNG-Importe und neue Lieferquellen wie etwa aus dem südlichen Gaskorridor in den Markt locken würde und damit die Importe aus Russland gegenüber heute reduzieren würde.

In diesem Kontext ist auch die Wirtschaftlichkeit des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 zu betrachten, welche ein weiterer Untersuchungsgegenstand der Studie war. Die Pipeline, welche heute mit einer Kapazität von 55 Mrd. Kubikmetern geplant ist, würde nur bei einer wettbewerblichen Preisstrategie im vollen Umfang benötigt werden. Bei einer oligopolistischen Strategie wären die russischen Exportrouten vergleichsweise schwach ausgelastet, so dass ein Investment in Nord Stream 2 nicht wirtschaftlich wäre, so die Studie.

Ein weiterer wichtiger Treiber für die Wirtschaftlichkeit von Nord Stream 2 sind die Transitgebühren für den Gastransport durch die Ukraine – der heute wichtigsten Export-Route für russisches Gas. Je stärker die Ukraine ihre Transitgebühren gegenüber heute senkt, umso weniger wirtschaftlich wäre ein Bau der Nord Stream 2. Sowohl der Ausbau der Pipeline als auch die Zukunft der Gastransite durch die Ukraine seien aber zusätzlich von politischen Faktoren abhängig, so die Autoren der Studie.

Und politisch kommt Nord Stream 2 jetzt unter Druck: In der Ukraine wächst der Druck auf die EU, die Sanktionen gegen Russland massiv zu verschärfen. "Der Westen sollte seine Öl- und Gasimporte aus Russland mindestens um die Hälfte reduzieren, um seine Energieabhängigkeit von Moskau zu vermindern", sagte jüngst die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im ukrainischen Parlament, Hanna Hopko, der "Berliner Morgenpost". Zudem verlangt die Politikerin den Stopp des geplanten Pipeline-Projekts Nord Stream 2, das ab 2019 russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland transportieren soll. Vergangene Woche plädierte auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, der CDU-Politiker Norbert Röttgen, für den Stopp von Nord Stream 2. "Polen, Balten und Ukrainer sehen durch dieses Pipeline-Projekt ihre Sicherheit bedroht. Die Bundesregierung sollte diese Sorgen anerkennen“, zitieren die Deutschen Wirtschaftsnachrichten Röttgen.

Die Studie steht zum Download auf den Seiten des EWI Energy Research & Scenarios bereit. (al)

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Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.