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17 April 2015 | 11:00

"17 Stunden länger arbeiten für Strom"

Nach Berechnungen des Wechselportals Verivox sind die Strom-Endpreise für 4000 kWh/a seit 2004 drei Mal stärker gestiegen als die Nominallöhne.

Musste ein deutscher Vier-Personen-Arbeitnehmerhaushalt für einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 4000 kWh 2004 im Schnitt nur 53 Stunden arbeiten, waren es im vergangenen Jahr schon 70 Stunden. Auf diese Zahlen kommt das Wechselportal Verivox unter bestimmten Annahmen, indem es seinen Verbraucherpreisindex Strom mit Angaben des Statistischen Bundesamtes über Nominallöhne verbindet. Demnach stieg der Nettostundenlohn in den herangezogenen elf Jahren (in der Pressemitteilung "Jahrzehnt" oder "vergangene zehn Jahre" genannt) um 20 % von 13,44 € auf 16,12 €. Die durchschnittlichen Stromkosten für 4000 kWh/a kletterten aber um 60 % von 712 auf 1135 €.

Verivox führt die Verteuerung "auch" auf den Anteil öffentlicher Lasten am Strom-Endpreis zurück, der von 39 auf 53 % stieg. Aber die eigentlich zu transportierende Botschaft ist für das Portal klar: Wer zu einem billigeren Versorger wechsle, könne sich die aufgelaufene Mehrarbeit sparen.

Methodisch wäre anzumerken, dass laut dem Statistischen Bundesamt nur 62 % des Haushaltsbruttoeinkommens aus Erwerbsarbeit stammt (2012). Sozialleistungen und andere öffentliche Transferleistungen machen 23 % aus. Das bereits vorhandene Haushaltsvermögen steuert im Schnitt 10 % bei.

Zudem sind Destatis zufolge zwar zwischen 2005 und 2012 die Kosten für "Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung" insgesamt um 20 % auf 796 € gestiegen. Doch andere Ausgabeposten verteuerten sich zeitgleich um jeweils 22 %: für "Verkehr" (329 €) oder für "Tilgung und Verzinsung von Krediten" (295 €). Bei diesen Ausgabeposten wuchs aber die Steuerbelastung und damit die Verantwortung des Staates von 2005–12 nicht nennenswert. Verivox zieht jedoch zum Vergleich die Preise für LCD-Fernseher heran. Sie passen besser ins Bild, da sie 2004-14 um die Hälfte gesunken sind.

Fragwürdig ist auch, die Lohntüten aller Haushalte vom Single bis zur Großfamilie mit dem Stromverbrauch nur von Vier-Personen-Haushalten zu vergleichen. Paare mit einem oder mehreren Kindern hatten 2012 laut Destatis 4174 € Nettoeinkommen monatlich und gaben davon 178 € oder 4 % für "Energie"(inklusive Gas, Heizöl usw.) aus. Alleinlebenden standen aber nur 1871 € netto zur Verfügung, von denen sie 109 € oder 6 % für Energie ausgeben mussten. Mit anderen Worten: Der durchschnittliche Vier-Personen-Haushalt, dessen Verbrauch hier herangezogen wird, stemmt die Energiekosten im Mittel leichter, als die allgemeine Lohnentwicklung suggeriert. Methodisch korrekt müsste bei 4000 kWh/a die Lohn- oder gar die gesamte Einkommensentwicklung von jenen Haushalten verwendet werden, die dafür typischerweise in Frage kommen. Ein Single, der 4000 kWh Strom im Jahr verbraucht, wäre ein statistischer Ausreißer.

Immerhin scheint der Verivox-Verbraucherpreisindex eine statistisch valide Annäherung an die tatsächliche Belastung der Haushalte zu sein. Er gewichtet den jeweiligen Anteil der tendenziell teureren Grundversorgungstarife und der Sondertarife so realitätsgetreu wie möglich. (geo)

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Megawatt betrug der Zubau an Ökostromleistung weltweit in 2016, berichtet die Internationale Energieagentur (IEA). Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr und umfasst nahezu zwei Drittel der neuen Stromerzeugung.