BEMD Anbietermatrix und Kriterienkatalog

Alles auf einen Blick: Die erste Auswertung von 14 IT-Lösungen Meter to Cash ergibt ein breites Bild: von der alten, etablierten Lösung für alle Martkrollen bis zur hoch spezialisierten, jungen Lösung

Umfassend: Eine Arbeitsgruppe des BEMD entwickelte einen Kriterienkatalog für IT-Lösungen Meter to Cash mit 70 Kriterien und 289 Datenfeldern

Der Bundesverband der Energiemarktdienstleister e.V. (BEMD), der eine Vielzahl der wesentlichen deutschen Abrechnungs-, Zähler- und IT-Dienstleister repräsentiert, hat in einer Arbeitsgruppe das Thema aufbereitet: welche IT-Lösungen gibt es derzeit am Markt für den kompletten Abrechnungsprozess in allen aktuellen Marktrollen?

Ziel ist der Initiative ist es, Markttransparenz mit Fokus auf den „Energiemarkt X.0“ herzustellen, die vorhandenen relevanten Lösungen systematisch und unvoreingenommen zu betrachten und mit dem gesammelten Know-how der Mitglieder auszuwerten. Dieses Know-how umfasst anwender-, entwicklungs- und beratungsseitiges Wissen und Erfahrung aus vielen Jahrzehnten eigener Anwendung, Projekten sowie Beratung.

Basis Standardleistungsverzeichnis

Der Bundesverband hat in den letzten Jahren ein Standardleistungsverzeichnis für alle relevante EVU-Geschäftsprozesse erstellt, das zunehmend auch Anwendung in Ausschreibungen fand und sich inzwischen als Standard in der Branche immer mehr durchsetzt. Es wurde Anfang 2017 um die Marktrolle Messstellenbetrieb ergänzt und umfasst alle wesentlichen Prozesse im Messstellen- und Abrechnungswesen bis hin zum Forderungsmanagement. Auf dieser Basis wurde nach einem Beschluss auf der Mitgliederversammlung in 2016 eine Arbeitsgruppe "IT-Lösungen: Meter to Cash" ins Leben gerufen, die inzwischen einen Kriterienkatalog mit 70 Hauptkriterien und 289 Datenfeldern entwickelte, der eine hohe Transparenz über die Abrechnungssysteme am Markt bringt.

Vorgehen

Diese Arbeitsgruppe besteht aus zwölf Mitgliedsunternehmen des BEMD sowie der Geschäftsstelle, die ebenfalls langjährige Beratungs- und Marktforschungskompetenz einbringt. Als Vorgehen wurde beschlossen, den in der ersten Phase erarbeiteten Kriterienkatalog den IT-Lösungsanbietern zur Verfügung zu stellen, die in der zweiten Phase eingehenden Daten zu prüfen, zu systematisieren und ggf. zu konsolidieren bzw. normieren und dann in der dritten Phase auszuwerten. Für die Phase 2 wurden im Sommer 2017 zwei Iterationsstufen benötigt, um eine entsprechend aussagekräftige Auswertung zu erhalten. Insgesamt tagte die Arbeitsgruppe bisher vierzehnmal und war mit diversen Unterarbeitsgruppen aktiv. Es antworteten alle marktrelevanten Anbieter (14 Anbieter mit 15 Lösungen), mit denen bisher knapp 30 Gespräche geführt wurden.

 

Analyse von 25 Lösungen

Die Arbeitsgruppe des BEMD hat initial insgesamt 25 IT-Lösungen „Meter to Cash“ analysiert. Der deutschen Energiewirtschaft stehen aktuell 14 Anbieter (mit 15 Lösungen) zur Verfügung, 10 weitere Anbieter wurden aktuell nicht weiter analysiert, da die End to end-Prozesskette meter to cash „noch“ nicht vollständig bedient werden kann oder der Schwerpunkt nicht im deutschen Markt liegt. Eine Aufnahme dieser Anbieter ist in zukünftigen Analysen jedoch nicht ausgeschlossen. Der Anbietervergleich hat auch bei den Anbietern zu großem Interesse geführt. Von den 14 ursprünglich angefragten Unternehmen haben 13 komplett teilgenommen. Mit den 13 Anbietern haben dabei alle wichtigen Anbieter im Markt den Kriterienkatalog ausgefüllt und an die AG geliefert. Die Arbeitsgruppe ist mit der Qualität der gelieferten Daten sehr zufrieden; bei der Zusammenführung und Strukturierung der Daten sind noch einige Punkte und Fragen aufgekommen, die mit den Anbietern weitgehend geklärt wurden.

 

Auswertung 

Bei der umfangreichen Auswertung (289 Felder für 14 Systeme) wurde durch die Beschreibung des jeweiligen Kriteriums sowie der zu erfassenden Werte in jedem Kriterium darauf geachtet, dass einheitliche Angaben gemacht wurden. Grundlage der Auswertung sind grundsätzlich die Angaben der Hersteller und teilweise hypothetische Annahmen zur Marktstruktur des deutschen Energiemarktes. Die Angaben wurden mit jedem Anbieter in zwei Iterationen und im Rahmen der Arbeitsgruppe grundsätzlich validiert, lassen jedoch punktuell Raum für Interpretationen und ggf. Fehlableitungen. Alle Angaben sind daher als Anbieterangaben ohne Gewähr des BEMD zu sehen und stellen auch keine Bewertung des BEMD dar.

 

Auswertungsbeispiele

Das durchschnittliche Alter der Anbieter beträgt 33,5 Jahre und nur drei Anbieter sind jünger als 15 Jahre. Das durchschnittliche Alter der Softwarelösungen beträgt 19,5 Jahre und nur zwei Lösungen wurden nach der Umsetzung des Unbundlings nach EnWG 2008 in den Markt gebracht. Diese versuchen, den Markt mit neuen Ansätzen "aufzumischen", dabei kommt diesen zugute, dass die Systemarchitektur sowie die Betriebs-, Support- und auch Lizenzmodelle u.a. aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung sowieso neu gedacht werden müssen und die oben dargestellten Anforderungen (Gesetze, Marktrollen, Kunden, Kosten usw.) alle Anbieter bzw. Lösungen gleich treffen. 64% der Anbieter sind durch den Eigentümer, private Gesellschafter bzw. durch Familien geführt, drei sind mehrheitlich im Konzernbesitz und zwei teilweise in Streubesitz. (sg)