Böblingen: Stadtwerke entschuldigen sich

Die Verbraucherzentrale hatte den Stadtwerken vorgeworfen, die Kunden in die Irre zu führen. Die Stadtwerke geben nun zu, einen Fehler gemacht zu haben.

Seit Monaten schwelt in Böblingen ein Streit um die jüngste, deutliche Erhöhung der Fernwärme-Preise durch die Stadtwerke. Über 150 Kunden haben gemäß den Stadtwerken zum Jahresende Widerspruch gegen die Erhöhung eingelegt und zum Teil den erhöhten Rechnungsbetrag einbehalten, mehrere Kunden haben auch bei der Landeskartellbehörde Beschwerde eingelegt. Ein neues Schreiben der Stadtwerke an diese Kunden hat nun erneut die Verbraucherzentrale auf den Plan gerufen. Diese kritisiert, der Brief der Stadtwerke erwecke den Eindruck als hätten die Verbraucherschützer die Preiserhöhung geprüft und wären zum Schluss gekommen, die Erhöhung gehe in Ordnung. Dem widerspricht die Verbraucherzentrale vehement.

Auf Anfrage der ZfK hat die Geschäftsleitung der Stadtwerke Böblingen nun eingestanden, dass die verwendete Formulierung in den Kundenanschreiben diesen Eindruck erwecken konnte. "Wir nehmen diese Kritik an und entschuldigen uns bei unseren Kunden, die sich dadurch in die Irre geführt fühlen", heißt es in dem Schreiben, das von den beiden Stadtwerke-Geschäftsführern Gerd Hertle und Knut Bacher unterzeichnet ist. Gleichzeitig entschuldigen sich die Stadtwerke bei der Verbraucherzentrale für die verwendete Formulierung. "Wir haben einen Fehler gemacht. Als Konsequenz haben wir intern organisatorische Änderungen in der Außenkommunikation vorgenommen", heißt es weiter.

Die Stadtwerke Böblingen hatten den Grundpreis für die Fernwärme nach eigenen Angaben seit den 1970er Jahren nicht mehr erhöht. Im August 2015 war die Grundgebühr von 9,10 auf 28,82 Euro pro Kilowatt angehoben worden. Begründet wurde die deutliche Erhöhung mit der Notwendigkeit, Rücklagen für die Netzsanierung aufzubauen.

Die Verbraucherzentrale sieht hingegen keine stichhaltigen Gründe für die Preiserhöhung. Die Höhe der zusätzlichen Kosten hängt von der Anschlußleistung der Haushalte ab. Bei vielen ist diese gemäß den Stadtwerken überdimensioniert. Durch entsprechende Anpassungen ließen sich hier Kosten reduzieren. Die Stadtwerke bieten deshalb gemeinsam mit der Verbraucherzentrale eine kostenlose Energieberatung vor Ort an, von diesem Angebot haben bereits einige hundert Haushalte Gebrauch gemacht. Das Programm wurde deshalb bis Somnmer diesen Jahres verlängert.

Die Stadtwerke Böblingen prüfen nun nach eigenen Angaben die eingegangenen Widersprüche der Kunden. Eine Möglichkeit zu klagen haben die Verbraucher nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in diesem speziellen Fall aber nicht. "Die Stadtwerke Böblingen haben für die Verbraucher keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen verfasst", sagte Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten". Ein Vertragsverhältnis bestehe deshalb quasi durch die Lieferung der Fernwärme, faktisch gebe es einen Anschlusszwang.

Die Stadtwerke Böblingen waren bis 2012 ein Eigenbetrieb der Stadt Böblingen. Mittlerweile gehören 59 Prozent des kommunalen Unternehmens der Stadt und der Rest dem Energiekonzern EnBW. (hoe)




 

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