Bild:© Florian Adler/Wikipedia

Münster: Busfahrer künftig wieder bei den Stadtwerken

Die Busfahrer in Münster werden ab Juli wieder über die örtlichen Stadtwerke angestellt. Das stark kritisierte Tochterunternehmen VSM scheint ausgebremst.

Das Ziel war es, den städtischen Haushalt zu entlasten: Vor 17 Jahren gründeten die Stadtwerke Münster eine Tochterfirma, die Verkehrsservicegesellschaft Münster (VSM). Über sie sollten möglichst viele Busfahrer angestellt werden – zu schlechteren Konditionen. Seitdem können Busfahrer, die in der einheitlichen blauen Stadtwerke-Kleidung am Steuer sitzen, zwei unterschiedlichen Unternehmen angehören. Nur in ihrer Bezahlung unterscheiden sie sich, wobei VSM-Busfahrer ein gutes Stück schlechter entlohnt werden. Doch das soll ab Juli nicht mehr so sein.

Die Stadtwerke-Tochter steht Medeinberichten zufolge vor dem Aus. Die Münsteraner Stadtwerke werden die rund 150 Busfahrer, die in der VSM arbeiten, in die Stammbelegschaft aufnehmen. Neue gesetzliche Vorschriften zum Arbeitnehmerschutz sind dafür der Grund. Vor allem spielt hier das neue Zeitarbeitgesetz eine Rolle, zweitens müsste die Tochter eigenständiger werden.

Hintergrund für die Entscheidung sind dabei mehrere Arbeitsgerichts-Prozesse, die VSM-Busfahrer gegen die Stadtwerke angestrengt haben. Auch wenn das Arbeitsgericht Münster bislang kein Urteil gesprochen hat, wurde doch aus der Verhandlung deutlich, dass die bisherige Gleichbehandlung von VSM- und Stadtwerke-Busfahrern bei unterschiedlicher Bezahlung sich nicht mehr lohnen dürfte, wenn mögliche gerichtliche Auflagen erfüllt würden.

Geschäftsmodell wurde unrentabel

Einer örtlichen Tageszeitung liegt ein Bericht der Stadtwerke-Geschäftsführung in Münster an den Aufsichtsrat vor. Darin heißt es mit Blick auf die Einlassungen des Gerichts, dass die Stadtwerke die Dienste der VSM vermutlich künftig nur in Anspruch nehmen könnten, wenn VSM einen eigenen Geschäftsführer erhielte, eine eigene Einsatzleitstelle bekäme, eigene Disponenten einstellen und nicht zuletzt einen eigenen Betriebsrat einrichten würde. Doch all dies kostet Geld: rund eine Millionen an Mehrkosten. Eine Rückführung der Busfahrer kostet dagegen rund 760.000 Euro.

Zudem müssten die Dienstpläne für VSM- und Stadtwerke-Busfahrer sauber getrennt werden, was bisher nicht der Fall ist, denn Stadtwereke- und VSM-Fahrer vertreten sich im Krankheits- und Abwesenheitsfall gegenseitig. Allein diese Trennung der Dienstpläne könnte die zusätzliche Einstellungen mehrerer Fahrer erforderlich machen. Das Geschäftsmodell VSM wird damit für die Münsteraner Stadtwerke unrentabel. Das hat die Geschäftsführung erkannt, und deswegen wird die Rückführung der VSM-Fahrer zurück zu den Stadtwerken zum 1. Juli erfolgen.

Einen solchen Schritt hatte die SPD im Münsteraner Rathaus bereits 2016 gefordert, doch die Auflösung der VSM hatte im Rat keine Mehrheit gefunden. Nun haben der Gesetzgeber und das Arbeitsgericht die Weichen gestellt. (sig)