EWE soll sich zu einem Dienstleistungsunternehmen wandeln, das Angebote rund um Energie, Kommunikation, Daten und Mobilität verstärkt gebündelt anbietet.
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EWE verdient im Halbjahr operativ deutlich weniger

Dem Oldenburger Energiekonzern bereiten im ersten Halbjahr das zum Verkauf stehende Türkei-Geschäft Sorgen. Der zurückhaltende Ausblick auf das Gesamtjahr wird bestätigt.

In den ersten sechs Monaten schrumpfte bei EWE das operative Ergebnis (EBIT) auf 266 Mio. Euro von zuvor 331 Mio. Euro. Der Konzernumsatz lag mit 3,5 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 4,2 Milliarden Euro. Das Periodenergebnis kletterte hingegen auf knapp 150 Mio. Euro (111 Mio. Euro). Als Grund für den Sprung beim Periodenergebnis nannte ein EWE-Sprecher die günstigere Bewertung von Termingeschäften, etwa um geplante Rohstoffkäufe gegen steigende Preise und Schwankungen abzusichern.

Ohnehin sei der Vorjahresvergleich der wesentlichen Kennzahlen aufgrund des seit Jahresbeginn verpflichtend anzuwendenden neuen Standards für die internationale Rechnungslegung (IFRS) einmalig nur eingeschränkt aussagekräftig. So sei vor allem der erhebliche Umsatzrückgang zu großen Teilen auf diesen Sondereffekt zurückzuführen.

Gastarife und Wechselkurs belasten Türkei-Geschäft

Die Entwicklung der einzelnen Bereiche verlief recht unterschiedlich. Das operative Ergebnis des Segments Erneuerbare, Netze und Gasspeicher stieg im Vorjahresvergleich um 9,1 auf 234 Mio. Euro. Dagegen blieb das Segment Vertrieb, Dienstleistungen, Handel mit 41 Mio. Euro knapp 16 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert. Das Segment Ausland sank vor allem aufgrund reduzierter Gastarife und des sinkenden Wechselkurses der türkischen Lira um knapp zehn auf 14 Mio. Euro. In der Türkei müssen Energietarife vom Staat genehmigt werden.

Der starke Rückgang des operativen Ergebnisses bei der Bremer Tochter swb um rund 47 Mio. auf nur noch sechs Mio. Euro spiegele mehrere belastende Faktoren wie negative Effekte aufgrund geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie Kraftwerksausfälle wider, hieß es. „Wir hatten in einigen Kraftwerksblöcken höhere Stillstandszeiten als sonst“, erläuterte ein EWE-Sprecher aus ZfK-Anfrage.

"Rahmenbedingungen bleiben schwierig"

Wie bereits im Frühjahr angekündigt, erwartet EWE für das laufende Geschäftsjahr 2018 ein um 15 bis 30 Prozent geringeres operatives EBIT als im Vorjahr. „Die Rahmenbedingungen bleiben schwierig, mit belastenden regulatorischen Bedingungen und Herausforderungen auf den Auslandsmärkten“, erklärte EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

EWE-Vorstandschef Stefan Dohler hatte vor wenigen Tagen seine neue Konzernstrategie vorgestellt. Demnach soll sich EWE zu einem Dienstleistungsunternehmen wandeln, das Angebote rund um Energie, Kommunikation, Daten und Mobilität verstärkt gebündelt anbietet. Chancen sieht Dohler in den Bereichen Erneuerbare Energien, Mobilität, neue Speicherlösungen, Energiedienstleistungen und bei der Vernetzung von Daten. Als für EWE strategisch unbedeutend hat das Top-Management etwa die Bereiche Erdgasspeicher und Offshore-Windparks identifiziert. (hil)