Erfolgreich verhandelt? Sollte die EU-Kommission das Milliardengeschäft zwischen Eon und RWE ohne größere Auflagen durchwinken, wäre das ein großer Erfolg für Eon-Chef Johannes Teyssen. Bild: © Eon

Teyssen: "Wir sind zutiefst regional"

Der Eon-Chef will das Unternehmen komplett auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Politisch fordert er ein Nachsteuern, um die Geschichte der Energiewende erfolgreich zu Ende zu erzählen.

Ist die deutsche Energiewende ein Fehlschlag oder eine Blaupause für die Welt? Diese Frage stellte Eon-Chef Johannes Teyssen den rund 300 Geschäftskunden bei einem Energieforum des Unternehmens in Hannover. Um diese Frage zu beantworten, müsse jedoch zunächst die Antwort auf eine zweite gefunden werden, so Teyssen. Diese lautet: Stimmt an der Hauptgeschichte etwas nicht oder müssten lediglich Details verändert werden und die Geschichte nur besser erzählt werden? Der Eon-Chef ist sicher, dass die zweite Variante richtig ist.

Aus seiner Sicht gibt es vier wichtige Randbedingungen der heutigen und künftigen Energiewelt:

  • Erstens: Energie wird elektrisch. Während Kohle und Erdöl jeweils die beherrschenden Energieträger der beiden vorigen Jahrhunderte gewesen seien, werde Strom das 21. Jahrhundert dominieren.
  • Zweitens: Strom wird zunehmend grüner und lokaler. Teyssen erwartet hier auch künftig noch "gigantische Kostendegressionen".
  • Drittens: Energie wird zunehmend zu einem vernetzten Thema. Mit Blick auf die Sektorenkopplung betont der Eon-Chef: Wer es am besten schaffe, vernetzte Stromlösungen anzubieten, werde aus der Energiewende als Gewinner hervorgehen.
  • Viertens: Der Kunde müsse in den Mittelpunkt gestellt werden.


Eon als europäisches Stadtwerk

Der Eon-Chef sieht sein Unternehmen hier ideal aufgestellt. "Wir sind zutiefst regional", sagte Teyssen in Hannover. "Nach außen wirken wir zwar groß, sind es aber gar nicht." Dabei wiederholte er seine Einschätzung, ein europäisches Stadtwerk zu sein. Anstatt großräumiger Lösungen komme es künftig darauf an, den grünen Strom "so dicht wie möglich lokal zu nutzen".

Auch auf den geplanten Kauf von Innogy und den Verkauf der regenerativen Stromerzeugung an RWE ging Teyssen ein. Angesichts der "super Windparkstandorte" falle die Abgabe dieser Aktivitäten schwer. Auf der anderen Seite sei man nach dem Zusammenschluss mit Innogy noch besser in der Lage, sich auf Kundenlösungen zu konzentrieren. Europaweit versorge man dann bis zu 50 Mio. Endkunden und betreibe ein Energienetz mit einem Umfang von rund 1,5 Mio. Kilometern. Mit dem Rückzug aus der Energieerzeugung steige zudem die Glaubwürdigkeit. "Wir haben kein Interesse, dass die Energiepreise steigen", so Teyssen.

Breiteres Produktportfolio

In die gleiche Richtung argumentierte die neue Chefin von Eon Energie Deutschland, Victoria Ossadnik: "Mit unseren Kunden verbindet uns ein besonders intensiver Gedankenaustausch, der uns hilft, jeden Tag ein bisschen besser zu werden." Ein Aspekt ist dabei, dass das Produktportfolio und die Projektbandbreite größer werde. Bei der Bewältigung der damit einhergehenden Herausforderungen helfe vor allem die Digitalisierung, so die ehemalige Microsoft-Managerin. Ossadnik verweist darauf, das die Lernkurven hier im Geschäfts- und Haushaltskundenbereich voneinander profitieren. Damit intensiviere sich automatisch der Dialog zwischen diesen beiden Geschäftsbereichen.

Eon-Chef Teyssen fordert hier Rückendeckung von der Politik. "Es wäre fatal, wenn man jetzt bei der Energiewende den Mut verliert", stellte er in Hannover klar. Die Politik müsse sich überlegen, ob sie nachsteuert und die Geschichte der Energiewende sauber zu Ende erzählt". Bei den Korrekturoptionen steht für ihn die Ausweitung des Emissionshandels auf die Sektoren Wärme und Verkehr ganz weit oben auf der Prioritätenliste. (mn)