Warum Netzentgelte in Leipzig drastisch steigen

Müsste die Netz Leipzig nur die Kosten ihres eigenen Netzes weitergeben, würden ihre Stromnetzentgelte sinken. Aber auch ihre Gasnetzentgelte steigen.

Dies teilte gestern der Chef von Netz Leipzig, Jan Fuhrberg-Baumann, der Presse mit. Doch zum 1. Januar muss die kommunale Netzgesellschaft auch die Entgelte ihrer vorgelagerten Netze – der Mitnetz Strom und des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz – durchreichen. Und 50Hertz verlangt 2013 lt. Netz Leipzig in Abhängigkeit von Netzlast und -nutzung etwa 40 % höhere Netzentgelte. Für einen Leipziger Durchschnittshaushalt etwa mit (extrem niedrigen) 1800 kWh/a Stromverbrauch werden daher die Netznutzungsentgelte um voraussichtlich knapp 16 % steigen, im Schnitt aller Verbrauchergruppen um 14 %.

Die Gasnetzentgelte klettern 2013 nach derzeitigem Stand gar um 19 %, so die Website von Netz Leipzig. Hier ist die Ursache ein regulatorisch-wetterbedingter "Einmaleffekt": Das relativ warme Kalenderjahr 2011 führte in der Regulierer-Sicht zu Untereinnahmen, die 2013 nachgeholt werden. Netz Leipzig behält sich jeweils kurzfristige Netzentgeltänderungen bis Jahresende vor.

Damit bestätigt sich exemplarisch die Warnung der Unternehmensberatung BTU EVU vor drastisch steigenden Gasnetzentgelten im nächsten Jahr, die diese exklusiv in der gedruckten September-Ausgabe der ZfK veröffentlicht hatte (Seite 26). Die Berater empfahlen Netzbetreibern darin auch konkrete Gegenmaßnahmen.

Die Netz Leipzig GmbH ist die frühere Stadtwerke Leipzig Netz GmbH. Sie wurde im Juli umbenannt, vermutlich, um sich auch namentlich stärker von der 100%-Mutter zu entflechten. Das 3. EU-Energiebinnenmarktpaket und in der Folge das novellierte Energiewirtschaftsgesetz fordern entsprechende Trennungen. Ob sie bis in die Namengebung reichen müssen, ist juristisch umstritten. (geo)