In einem Test schaltete Tibber 1 MW Ladeleistung von insgesamt 160 Elektroautos automatisiert ab.
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Tibber setzt Elektroautos zum Netzausgleich ein

Das Unternehmen überlegt auch eine Ausweitung des Ansatzes auf smarte Heizgeräte.

Ein höherer Anteil von erneuerbaren Energien führt häufig zu Überkapazitäten und Unterversorgung. Der Ausgleich ist teuer. Das digitale Energieunternehmen Tibber hat mit dem norwegischen Energieversorger Statnett zusammengearbeitet und eine Möglichkeit gefunden, Nachfragespitzen auszugleichen.

Eine smarte Aufladelösung von Tibber lässt Elektroautos nur dann aufladen, wenn der Strom günstig ist. In einem Test schaltete das Unternehmen nun 1 MW Ladeleistung von insgesamt 160 Elektroautos automatisiert ab – und glich so eine Nachfragespitze aus.

Ausweitung auf smarte Heizgeräte möglich

Tibber wurde außerdem vom schwedischen nationalen Netzbetreiber Svenska Kraftnät die Genehmigung erteilt, auf dem am weitesten fortgeschrittenen Ausgleichsmarkt für Strom mitzubieten. Tibber wird damit ab dem 29. Juni 2020 in Schweden auf dem Ausgleichsmarkt für Primärregelleistung, bekannt als Frequency Containment Reserve (FCR), mit Leistungen von Elektrofahrzeugen aktiv werden.

Es ist das erste Mal, dass Ladegeräte für Elektrofahrzeuge in Privathaushalten Ausgleichsleistungen auf dem realen Markt erbringen. Die Wertschöpfungskette von der elektronischen Bestellung über Tibber bis zum Abschalten ist automatisiert, lässt sich also auch skalieren. Dieser Ansatz ist zudem nicht nur auf Elektroautos beschränkt. Tibber prüft gerade eine Ausdehnung auf smarte Heizgeräte.

Für Deutschland ist diese Arte des Netzausgleichs interessant, da die Bundesregierung E-Mobilität stärker fördern möchte und auch im beschlossenen Konjunkturpaket berücksichtigt hat. (agr)