Bei der Montage einer PV-Anlage auf einer Flüchtlingsunterkunft in Ravensburg packten etliche neue Bewohner unter fachhandwerklicher Anleitung mit an. Bild: Claus Scheuber

Energiesparende Unterkünfte für Flüchtlinge

Ravensburg setzt bei der Flüchtlingsunterbringung auf modularen Holzbau mit hohen Energiestandards plus Solarstrom, mit guten Erfahrungen.

„Wir suchten eine Alternative zu den Energieschleudern der Stahlcontainer“, sagt Reinhard Rothenhäusler, Leiter des Amtes für Architektur und Gebäudemanagement der Stadt Ravensburg. Auch deshalb entschied sich die Verwaltung im vergangenen August, als die erste große Flüchtlingswelle Deutschland erreichte, 28 Wohnungen in modularer Holzbauweise auszuschreiben. Diese sind vor allem zur Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen gedacht, können jedoch später umgenutzt werden.

Auf dem Flachdach des ersten zweigeschossigen Holzhauses mit acht Wohnungen ist eine zehn Kilowatt starke Photovoltaikanlage montiert. Bei der Montage packten etliche neue Bewohner unter fachhandwerklicher Anleitung mit an. 15 Flüchtlinge mit Montage- und elektrotechnischer Berufserfahrung wurden in einem Praxisworkshop in die Solartechnik eingewiesen. Elf der 15 Seminarteilnehmer sind zwischenzeitlich in Jobs oder Ausbildungen untergekommen oder befinden sich im Bewerbungsverfahren.

Die Dachflächen der weiteren Unterkünfte sollen ebenfalls mit Photovoltaik ausgerüstet werden, die von den Technischen Werken Schussental (TWS) betrieben werden. Diese setzen auf 100 Prozent Ökostrom und betreiben insgesamt schon Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von über 44 Megawatt.

Die vorgefertigten Modulbauten aus heimischem Holz wurden von der Firma Bauer Holzbausysteme aus dem benachbarten Neukirch geliefert. Vier weitere Gebäude sollen in nächster Zeit entsprechend dem Energiestandard eines KfW-70-Hauses fertiggestellt werden. Prämisse sei es, das Bedürfnis der Menschen nach einem ordentlichen Angebot für Wohnen und Schlafen zu erfüllen, allerdings weit entfernt von jeglichem Luxus, so Rothenhäusler. Maximal sechs Bewohner teilen sich auf 45 Quadratmetern zwei Zimmer plus Wohnküche, Bad und Abstellraum. Die Toiletten sind auch mit Bidets ausgestattet, um den kulturellen Gewohnheiten der Bewohner entgegenzukommen, die häufig nicht gewohnt sind,Toilettenpapier zu benutzen. Eine Wohnung wurde zudem zur Nutzung als Gemeinschaftsraum für Sprachunterricht und zur Unterbringung von Betreuern vorgesehen. Auch soll ein Kinderspielplatz angelegt werden, um das Miteinander mit Anwohnern zu fördern. „Die bisherige Resonanz ist sehr positiv“, unterstreicht Rothenhäusler.

Die modulare Bauweise sei jedoch auch deshalb gewählt worden, um die Gebäude später auch für günstiges Wohnen für Studenten oder einkommensschwächere Familien nutzen zu können. Zudem sei der jetzige Standort für eine Umgehungsstraße vorgesehen und die Holzbauten könnten dann bei Bedarf abgebaut und woanders errichtet werden. Mit schlüsselfertigen Kosten von rund 1700 Euro pro Quadratmeter inklusive Haustechnik (zzgl. Grundstück und Anschlusskosten Strom und Wärme) sind die Holzbauten zwar teuer als Stahlcontainer mit rund 1200 Euro pro Quadratmeter. Doch sind die Folgekosten aufgrund der höheren Langlebigkeit und der besseren Energieeffizienz geringer. Finanziert wurden die Gebäude sowie die Solarstromtechnik zum Großteil aus eigenen Mitteln der Stadt Ravensburg. Diejenigen Bewohner, die Arbeit gefunden haben, zahlen auch die reguläre Miete, 245 Euro „warm“ pro Person. Zahlreiche andere Kommunen interessieren sich für das Konzept. (hcn)