In Velten steht der Verdacht der Veruntreuung, Vorteilsgewährung und der Bestechung im Raum.
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Korruptionsskandal bei den SW Velten

Gleich mehrere Mitglieder der kommunalen Führungsriege sind in fragwürdige Machenschaften verstickt. Kaum wird eine Akte geschlossen, öffnet sich eine Neue.

Die Causa Carsten Lecke hat im brandenburgischen Velten alte Kamellen aufgewärmt. Lecke war bis vor wenigen Tagen Chef der Regionalen Entwicklungsgesellschaft (REG) – eine Tochtergesellschaft der örtlichen Stadtwerke. Nachdem er jedoch vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Jörg Pötsch wegen eines Betrugsverdachts angezeigt wurde, folgte die fristlose Kündigung. Dass dieser Vorfall nicht für sich steht, sondern auf ein Korruptionsverfahren innerhalb der Stadtwerke verweist, geht aus der Lokalpresse hervor.

Die Märkische Oderzeitung (MOZ) beobachtet die Verstrickungen in Velten schon seit mehreren Jahren. Während Lecke vom Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Kühne vergangene Woche vor die Tür gesetzt wurde, steht Letzterer selbst unter Verdacht der Vorteilsgewährung. Bis die zuständige Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Kühne aufgenommen hat, vergingen allerdings drei Jahre. Bis der Stadtwerke-Chef wiederum von den Vorwürfen Wind bekommen hat, zog fast ein weiteres Jahr ins Land.

Wein und Spekulatius als Ursprung allen Übels

Was zwischen Weihnachten 2014 und Sommer 2018 passiert ist, lässt sich nur mühsam rekonstruieren. Vor vier Jahren wollte Kühne nach eigenen Angaben den Aufsichtsratsvorsitzenden mit Wein und Spekulatius für ihre Arbeit danken. Das Geschenk im Wert von 35 Euro wurde ihm allerdings zum Verhängnis, denn das Aufsichtsratsmitglied Marcel Siegert witterte Bestechung.

Nun nimmt der Fall eine kuriose Wendung, denn anstatt sofort Anzeige zu erstatten, lies Siegert das Präsent zurückgehen und wartete ab. Erst im Herbst 2017 stellte er Anzeige bei der Polizei, allerdings nicht wegen Bestechung, sondern wegen Vorteilsgewährung gegenüber dem Aufsichtsratsvorsitzenden.

Ermittlungen stehen vor Abschluss

Andreas Noak ist nicht nur Mitglied der Führungsriege der Stadtwerke, sondern zugleich Geschäftsführer einer Versicherungsagentur. Dort ist seit Jahren der kommunale Fuhrpark versichert. Kühne erfuhr erst diesen Sommer von den Ermittlungen gegen ihn und Noak. Mittlerweile steht die Staatsanwaltschaft Neuruppin kurz vor dem Abschluss ihrer Arbeiten. Bislang habe sich der Verdacht eher nicht erhärtet, erklärte Oberstaatsanwalt Frank Winter gegenüber der Lokalzeitung.

Ob Lecke nun als nächstes auf der Liste der Fahnder steht, ist unklar. Bislang hat ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer Hinweise für eine nicht korrekte Geschäftsführung gefunden. Die Ungereimtheiten hielten mit der Amtszeit von Lecke Einzug. Sowohl bei den Stadtwerken als auch der Stadt war kein Ansprechparter für entsprechende Rückfragen der ZfK zu erreichen. (ls)