Eon setzt auf Photovoltaik

Das Unternehmen will den Vertrieb von Eigenstrom-Anlagen verstärkt vorantreiben.

Eon will den Vertrieb von Photovoltaik-Anlagen und Hausspeichern weiter ausbauen. Aus diesem Grund ist das Unternehmen jetzt eine Partnerschaft mit dem US-Unternehmen Sungevity eingegangen. Die Software-Lösung berechnet aus mehreren Parametern eines Daches, welche Erträge aus einer PV-Anlage zu erwarten sind. So sollen vor allem Kunden via Vertriebskanal Internet gefunden werden. Das Prinzip ist ganz einfach: Interessenten, die auf die Homepage von Eon kommen und Interesse an Photovoltaik bekunden, können einfach ihre Email hinterlassen. Sofort kann die Vertriebsmannschaft wichtige Eckdaten wie beispielsweise Neigungswinkel des Daches abfragen und den zu erwartenden Ertrag berechnen. Die Anlage wird dann "quasi nur noch per Scheckkarte" bezahlt und Eon wickelt im Hintergrund alle weiteren Aufgaben ab wie das Bestellen eines Solarteurs etc. "Solche Konzepte funktionieren ganz gut in Amerika oder in den Niederlanden", erläuterte Franco Gola, Leiter Energielösungen PV von Eon Energie Deutschland, bei einer Pressekonferenz in Berlin (27. Aug. 15). Nun soll der Ansatz in Deutschland getestet werden. Interessant dabei: Eon übernimmt dabei eine zehnjährige Ertragsgarantie.

Um noch deutlicher auf das Geschäftsfeld Photovoltaik aufmerksam zu machen, startet Eon in drei Wochen einen Fernsehspot, bei dem sich alles um Photovoltaik-Anlagen dreht. Doch damit nicht genug: Da viele der 1,5 Mio. PV-Anlagen in Deutschland "in die Jahre" gekommen sind, bietet Eon jetzt einen Wartungsservice für Solaranlagen an. Laut Qualitätsmonitor Solar vom TÜV Rheinland weist jede dritte Photovoltaik-Anlage im Bereich von 100 kWp bis 30MWp Defekte und Leistungsdefizite auf. Eon bietet jetzt ab Mitte September einen Ertragscheck für kleinere Anlagen an: Über www.eon-solarprofis.de kann künftig jeder online seine Anlage überprüfen. Eon errechnet, ob die Kapazitäten der Anlagen optimal ausgeschöpft sind oder ob diese mehr Strom erzeugen könnte als produziert wird.

Im Anschluss kann eine Vor-Ort-Überprüfung der Anlage geordert werden. Zum Festpreis von 250 € begutachtet der Wartungsexperte per Sichtprüfung die Anlage (Module, Aufständerung, Verkabelung, Wechselrichter), führt eine Inbetriebnahme-Messung durch und erstellt einen umfangreichen Abschlussbericht.

Generell sieht das Unternehmen gute Wachstumschancen: "Es ist ein Markt mit 2 Mrd. € Umsatz jährlich. Da wollen wir einfach dabei sein", so Gola. Zudem ist das Potenzial groß: In Berlin gebe es allein 200 000 Dächer. Sicherlich habe der Photovoltaik-Markt eine harte Landung hinter sich, nachdem der Zubau von jährlich 7 GW in den Jahren 2010 bis 2012 auf jetzt 1 GW gefallen ist.

Im Fokus stehen bei Eon vor allem Eigenverbrauch-Anlagen für Hausbesitzer und Unternehmen. Das Segment Mieterstrom beackert das Unternehmen noch nicht, hat aber ein Drei-Mann-Team in der 70-köpfigen Belegschaft der Abteilung abgestellt.

Manfred Bächler, Geschäftsführer der Reniva GmbH, und erfahren mit Mieterstrom-Projekten, wies bei der Pressekonferenz darauf hin, dass solche Anlagen immer schwieriger zu realisieren sind. "Es geht nur noch mit einer ganz schlanken Struktur", erläuterte der PV-Experte.

Volker Quaschning, Professor an der HWT Berlin mit Schwerpunkt Regenerative Energien, erklärte, dass die Regierung bei der Energiewende kein Konzept habe. Grundsätzlich wolle die Bundesregierung den Eigenverbrauch nicht. Auch die Belegung des Eigenstroms mit der EEG-Umlage werde nicht weichen. Mit dem Tempo des derzeitigen Umbaus dauere die Abkehr von fossilen Energien etwa 150 Jahre, so Quaschning. Dies könne sich das Land nicht erlauben, da schon jetzt erste Anzeichen des Klimawandels (heißer Sommer) sichtbar werden. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müsse Deutschland etwa 10 GW Photovoltaik jedes Jahr hinzubauen.

Die Hausspeicher erleben derzeit eine steigende Nachfrage, vor allem durch die KfW-Förderung. Doch die Frage ist, was passiert, wenn das Programm ausläuft? Manfred Bächler, Geschäftsführer der Reniva GmbH, sieht als Kunden von Speichern derzeit nur die "Early Adopters", die ein solches Gerät haben möchten. Fällt die Förderung weg, werde die Nachfrage sinken. (al)