Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Caléo im elsässischen Guebwiler.
Bild: © Badenova

Badenova steigt bei elsässischem Stadtwerk ein

Wegen der geplanten Schließung des AKW Fessenheim benötigt das Stadtwerk Caléo in Guebwiler einen strategischen Partner. Dabei soll es vor allem um die regionale Energiewende gehen.

Der Energiedienstleister Badenova beteiligt sich mit 44,45 Prozent an dem eläsisschen Stadtwerk Caléo in Guebwiler. Der mehrheitlich kommunale französische Versorger will sich im Strom- und Wärmemarkt breiter aufstellen. Weil das Atomkraftwerk Fessenheim voraussichtlich im Sommer 2020 stilllgelegt wird, geht es insbesondere darum, die regionale Energiewende vor Ort voranzutreiben. Auf der Suche nach einem geeigneten strategischen Partner haben sich  Caléo und die Stadt Guebwiler dabei unter mehreren Bewerbern für das Freiburger Unternehmen entschieden. Geplant ist eine strategische und operative Zusammenarbeit auf allen Gebieten der Energieversorgung.

Badenova hofft auf weitere Projekte am Oberrhein

Konkret vereinbart wurde unter anderem der Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen sowie von Anlagen für erneuerbare Energien im Bereich Biomasse, Windkraft und Solar. Daürberhinaus sollen lokale Dienstleistungen im Bereich Energie und Umwelt, Smart-City-Angebote und die Energieberatung ausgebaut und neue Strom- und Gasvertriebskonzepte entwickelt werden. Die Stadtwerke Caléo wollen ihr Marktgebiet über die Grenzen von Guebwiler hinaus ausweiten. Badenova hingegen hofft darauf, dass sich aus der Partnerschaft weitere gemeinsame Aktivitäten am Oberrhein ergeben können, ohne dass der deutsche Energiedienstleister einen eigenen Standort in Frankreich aufbauen muss. Gerade mit Blick auf die Schließung des AKW Fessenheim sieht Badenova hier große Chancen in einer solchen Zusammenarbeit.

"Badenova kann die Rolle des großen Bruders von Caléo spielen. Wir haben die gleiche Unternehmenskultur und die gleiche Philosophie", begründete Guebwilers Bürgermeister Francis Kleitz die Wahl von Badenova als Partner. Mit seinen vielfältigen Kompetenzen und seiner Erfahrung könne Badenova Caléo dabei helfen, die großen Herausforderungen bei der Liberalisierung des französischen Energiemarktes zu meistern. "Eine deutsch-französische Zusammenarbeit in dieser Art dürfte in der Energiebranche ziemlich einmalig sein. Wir sehen uns hier auch als Vorreiter, um Themen der Energiewende und des Klimaschutzes grenzüberschreitend anzupacken", betonte Badenovas Finanzvorstand Maik Wassmer. Er sieht viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit über alle Geschäftsfelder hinweg, sowohl im Bereich Netze, Vertrieb als auch in der europaweiten Energiebeschaffung, beim Personalaustausch und bei allen Themen der Digitalisierung.

Erste gemeinsame Maßnahmen ab 2019

Die Gremien der Badenova und der Stadtrat von Guebwiler haben der Transaktion  zugestimmt. Bereits im kommenden Jahr sind in den Bereichen Vertrieb und Vermarktung, Aufbau erneuerbarer Kapazitäten, Optimierung der Strombesschaffung und  des  Stromhandels erste gemeinsame Maßnahmen für Caléo geplant. 2020 werden auch Veränderungen in der Gasbeschaffung im Gasvertrieb angestrebt. Caléo ist als kommunales Stadtwerk im Bereich der Gas- und Wasserversorgung tätig. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen mit 36 Mitarbeitern einen Umsatz von 19,8 Mio. Euro. Das Stadtwerk ist als private Aktiengesellschaft organisiert, an dieser sind die Stadt Guebwiler mit 82,3 Prozent der Anteile beteiligt. Die restlichen 17,7 Prozent verteilen sich auf regionale Partner, darunter Banken, ein Wasserverband sowie ein regionaler Energieversorger. (hoe)