ARD: Portal Verivox beeinflusste Energietarife

Das Verbrauchermagazin "Plusminus" wirft dem Preisvergleichsportal Verivox vor, mit einigen Anbietern Energiepreise abgesprochen zu haben.

Verivox bestritt gegenüber der ZfK die Vorwürfe komplett. Das ARD-Verbrauchermagazin "Plusminus" hat gestern (21. Jan. 15) dem Marktführer unter den Energie-Preisvergleichsportalen, Verivox, vorgeworfen, seine Unabhängigkeit und Neutralität gegenüber der Tarifgestaltung der Versorger 2013 und 2014 zum eigenen Vorteil mehrmals aufgegeben zu haben (hier Link zur ARD-Mediathek ohne Gewähr für die Richtigkeit der Angaben). Es beruft sich dabei auf ihm angeblich vorliegende Verivox-Unterlagen, Aussagen eines anonymisierten ehemaligen Verivox-Mitarbeiters und Angaben des Chefs eines Versorgers. "Plusminus" warf dem Portal vor, es habe sich mit mehreren Billiganbietern gleichzeitig so abgesprochen, dass sie nach einer gleichzeitigen Preiserhöhung immer noch die relativ günstigsten Anbieter in der Trefferliste gewesen seien. Drei nicht namentlich genannte, angeblich beteiligte Discounter seien dem SWR, der den Beitrag recherchierte, namentlich bekannt. Den Mehrumsatz habe sich Verivox mit diesen Vertrieben geteilt. Solche "Tarifoptimierungen" seien über die Verivox-Tochter VX Sales Solutions gelaufen.

Verivox habe also Preiserhöhungen zum Teil begünstigt und umgekehrt Preissenkungen reduziert. Das Bundeskartellamt befinde sich deswegen in Vorprüfungen für ein Ermittlungsverfahren. Ziel von Verivox – so der zitierte Ex-Mitarbeiter – sei es im Übrigen gewesen, Wechselbewegungen auf jene Versorger zu lenken, die die höchsten Wechselprovisionen gezahlt hätten.

Die Chief Communications Officer von Verivox, Dagmar Ginzel, wies die Vorwürfe rundweg zurück: "Es gab und gibt keine Absprachen", sagte sie der ZfK. Das Portal beeinflusse weder die Tarife noch deren Reihenfolge noch die Höhe der Wechselboni.

Sollte sich aber herausstellen, so Frau Ginzel weiter, dass ehemalige Mitarbeiter von Verivox solche getroffen hätten, werde Verivox gegen sie juristisch vorgehen. Das Kartellamt sei auf Verivox noch nicht zugekommen, man sichere ihm aber volle Kooperation zu. Verivox sei an einer schnellen Klärung interessiert. Auch gegen den SWR behält sich das Portal rechtliche Schritte vor. Er habe Zitate aus Schriftstücken aus dem Zusammenhang gerissen.

In dem Bericht wird auch bemängelt, dass Verivox unter seinen "Tarifempfehlungen" nur Anbieter aufliste, die mit dem Portal Provisionsvereinbarungen schlössen. So fehlten die Sondertarife der Stadtwerke Münster und Karlsruhe.

Dagmar Ginzel rechtfertigte diese Praxis. Nur so könne Verivox die Kundenzufriedenheitsrate selbst ermitteln, die bei seinen "Empfehlungen" 70 % erreichen muss. Sie räumte ein, dass diese Bedingung den Verivox-Nutzern womöglich deutlicher klargemacht werden sollte. In "Alle Tarife" tauchten die Karlsruher und Münsteraner Tarife "selbstverständlich" auf. (geo)