Auch RWE soll aufgespalten werden

Erneuerbare, Netze und Vertrieb werden in neue Tochter überführt und Teile des neuen Unternehmens an der Börse platziert.

Ähnlich wie die Pläne beim Eon-Konzern will sich auch Konkurrent RWE aufspalten. Allerdings geht RWE genau den umgekehrten Weg: Die attraktiven Wachstumsbereiche Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb im In- und Ausland sollen in eine neue Tochtergesellschaft überführt werden, die voraussichtlich Ende 2016 an die Börse gebracht wird. Im Zuge einer Kapitalerhöhung sollen dann rund 10 % des Aktienkapitals platziert werden, teilte RWE gestern (01.12.) mit. Der Aufsichtsrat muss dem Vorhaben noch zustimmen. An der Börse reagierten Anleger euphorisch, die in den vergangenen Monaten stark gebeutelte RWE-Aktie schnellte bis zum Nachmittag um knapp 14 % in die Höhe.

"Gut die Hälfte der Gelder, die uns im Zuge des Börsengangs zufließen, werden wir in den Ausbau der erneuerbaren Energien investieren", kündigte Konzernchef Peter Terium in einer Telefonkonferenz an. Die neue Gesellschaft als Wachstumsplattform stärke die Zukunftsfähigkeit des gesamten RWE-Konzerns und verspreche auch eine Wertsteigerung für alle Aktionäre. Ihren Sitz soll die neue Gesellschaft wie der Mutterkonzern auch in Essen haben. Auf Basis der aktuellen Zahlen würde ein neues großes DAX-Unternehmen mit einem Umsatz von 40 Mrd. € und einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 4 Mrd. € entstehen. Dieses wird rund 40 000 der aktuell 60 000 Mitarbeiter des RWE-Konzerns beschäftigen.

In den vergangenen Jahren habe RWE die Kosten und Finanzschulden deutlich reduziert, sagte Terium. "RWE ist reif, um die nächste Stufe der Transformation zu zünden. Wir schalten wieder auf Wachstum um und bauen den Energiekonzern von morgen", so der Konzernchef. Die RWE AG wird anfangs 90 % der Aktien an der neuen Tochtergesellschaft halten. Es können aber nachfolgend weitere Anteile an der neuen Gesellschaft veräußert werden, der Mutterkonzern RWE AG bleibe aber dauerhaft Mehrheitsaktionär der neuen Gesellschaft und werde diese voll konsolidieren.

Die Haftungsmasse für Rückstellungen bleibe unverändert, kündigte Terium an. "Wir werden uns dieser Verantwortung nicht entziehen – weder bei der Kernkraft noch bei der Braunkohle", versprach der Konzernchef. Mit Blick auf den Ausstieg aus der Kernenergie gewinne RWE durch den Konzernumbau jedoch mehr finanzielle Flexibilität bei der Bedienung der Rückstellungen. "Wir bleiben ein Konzern, aber unter dem Dach dieses Konzerns ordnen wir zwei zukunftsfähige Unternehmen an", stellte Terium klar. Die Muttergesellschaft RWE AG, die sich künftig auf die konventionelle Stromerzeugung und den Energiehandel konzentriert, sei keine Bad Bank, sondern vielmehr eine Rückversicherung für die Energiemärkte der Zukunft.

Dass ein Konzern einen derart großen Umbau bekannt gibt, der Aufsichtsrat aber noch nicht zugestimmt hat, ist ungewöhnlich. Das provozierte bei der gestrigen Telefonkonferenz (1.12.2015) einige Rückfragen. Angesichts hartnäckiger Gerüchte im Finanzmarkt über Umbaupläne habe sich der Konzern gezwungen gesehen, eine Adhoc-Meldung zu veröffentlichen, bestätigte Konzernchef Terium. Der Aufsichtsrat sei aber voll und ganz über die Pläne informiert und habe ihn bereits im Herbst beauftragt, ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten, so Terium. Rund ein Viertel der RWE-Aktien werden von Kommunen gehalten. Der Konkurrent Eon hatte vor rund einem Jahr die Aufspaltung beschlossen, damals aber die Kraftwerkssparte in eine neue Gesellschaft überführt. (hoe)