Der Unternehmenssitz der Stadtwerke Neuss.
Bild: @ Stadtwerke Neuss

Razzia bei den Stadtwerken Neuss

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss wegen des Verdachts auf Korruption und Untreue.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal und das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen haben gestern die Geschäftsräume am Unternehmenssitz der Stadtwerke Neuss GmbH, aber auch von Tochterunternehmen und verschiedenen Privatpersonen durchsucht. Das teilte die Staatsanwaltschaft Wuppertal in einer Presseerklärung mit. Laut verschiedenen Medienberichten waren etwa 80 Ermittler im Einsatz, zahlreiche Datenträger und Unterlagen wurden beschlagnahmt.

Im Visier der Staatsanwaltschaft steht dabei vor allem der langjährige Vorsitzende der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss, Heinz Runde (66). Gemäss der Staatsanwaltschaft Wuppertal soll er von einem Bauunternehmen Bau- und Sachleistungen für sein privates Eigenheim erhalten haben. Als Gegenleistung soll Runde eine Arbeitsgemeinschaft, an der das Bauunternehmen beteiligt war, bei der Vergabe von Aufträgen durch die Stadtwerke Neuss in unlauterer Weise unterstützt haben. Außerdem sollen in Neuss ansässige Vereine und Einrichtungen über Sponsoringverträge unterstützt worden sein, ohne dass ein entsprechender Nutzen für die Stadtwerke Neuss damit verbunden gewesen sei. "Zum Teil sollen die hierfür erforderlichen Entscheidungen getroffen worden sein, ohne dass eine Beteiligung der dafür vorgesehenen Gremien erfolgte", heisst es weiter. Zusätzlich sollen Verantwortliche der Stadtwerke Neuss privat veranlasste Ausgaben wie Bewirtungs- oder Reisekosten als betriebliche Ausgaben abgerechnet haben.

Bereits 2013 war aufgrund anonymer Hinweise bei den Stadtwerken Neuss ermittelt worden. Die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke hatte daraufhin eine Sonderprüfung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Auftrag gegeben. Diese hatte den Verdacht auf Korruption- und Untreue aber nicht bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal beruft sich nun aber auf neue Erkenntnisse, die den Verdacht der Bestechlichkeit gegen den Hauptbeschuldigten verstärkten. Rundes Vertrag läuft Ende Mai kommenden Jahres aus.

Aufgrund der laufenden Ermittlungen kommt der Aufsichtsrat der Stadtwerke Neuss heute Abend zu einer Sondersitzung zusammen. Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer hat den Antikorruptionsbeauftragten der Stadt gebeten, Informationen bei Ämtern, Dienststellen und Behörden zusammenzutragen, um den Rat über den Stand der Angelegenheit zu unterrichten. Breuer hat gegenüber dem Landeskriminalamt und der Staatsanwaltschaft Wuppertal seine vollumfängliche Kooperationsbereitschaft erklärt, damit der Sachverhalt vollständig aufgeklärt und die Ermittlungen abgeschlossen werden können. Auf dieser Grundlage behält sich der Bürgermeister weitere Entscheidungen vor. Dies teilt die Stadt Neuss auf ihrer Homepage mit. (hoe)