Die Zentrale der Hypovereinsbank in München Bild: Andreas Teichmann / HypoVereinsbank

Bank: Energiewende hat ein Finanzierungsproblem

"In Kernbereichen der Energiewende ist eine Projektfinanzierung derzeit nur sehr eingeschränkt möglich", teilte Lutz Diederichs, Vorstand der Hypovereinsbank, der "Welt" (Montagsausgabe) mit.

Die Banken müssen dem Vorstand der HypoVereinsbank Corporate & Investmentbanking zufolge immer stärker als Vermittler zwischen Projektsponsoren und Finanzinvestoren agieren und können somit ihre klassische Rolle als Kreditfinanzierer nur eingeschränkt spielen. Die Hälfte der Gesamtkosten der Energiewende von rd. 335 Mrd. € bis 2030 seien wegen unsicherer technischer, politischer und regulatorischer Bedingungen gefährdet. Besonders die Finanzierung von Windparks auf hoher See, von Energiespeichern, Reservekraftwerken und Netzen sei für Banken zu unsicher – im Gegensatz zu Onshore-Windkraftanlagen und kleinen Solaranlagen. 

 

Diederichs forderte die Bundesregierung auf, die Einspeisevergütungen für unerprobte Technologien wie die Offshore-Windkraft an die tatsächlichen Wartungs- und Betriebskosten anzupassen. Erst dadurch werde der Cashflow und damit eine Projektfinanzierung kalkulierbar. Zudem gebe es "zum Teil erhebliche Schwierigkeiten, die beschlossene Energiewende im geplanten Zeitrahmen wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen", wie aus einer Studie zu den "Konsequenzen der Energiewende" vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) im Auftrag der Bank hervorgeht. Dies erfordere teure Brückenlösungen wie z. B. den Einsatz  konventioneller Kraftwerke als Kernkraftersatz. Es bestünden derzeit "erhebliche Diskrepanzen zwischen öffentlicher Wahrnehmung und den Realitäten der Energiewende", kritisierte Diederichs. (sg)