Nicht bei allen kommt eine etwaige Beteiligung der Wiener Stadtwerke gut an.
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Wiener Stadtwerke kaufen EVN-Anteile der EnBW

Die Wiener Stadtwerke haben den Anteil von 29 Prozent an den Aktien der Energieversorgung Niederösterreich (EVN) der EnBW übernehmen. Kritik dazu kommt aus Wien.

Der EnBW Trust  verkauft seine für die EnBW Energie Baden-Württemberg AG treuhänderisch gehaltene Finanzbeteiligung am niederösterreichischen Energie- und Umweltdienstleistungsunternehmen EVN AG in Höhe von 28,35 Prozentan die Wiener Stadtwerke GmbH. Das Closing der Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die österreichischen und deutschen Kartellbehörden.

Stimmen zum Deal

„Wir haben die Gelegenheit genutzt, um uns zu wirtschaftlich attraktiven Konditionen aus unserer mittelbaren Beteiligung an der EVN zurückzuziehen. Gleichzeitig zahlt der Verkauf auf unsere Desinvestitionsziele im Rahmen unserer Strategie 2020 und dem damit verbundenen Portfolioumbau ein,“ erläutert EnBW Finanzvorstand Thomas Kusterer. “Wir freuen uns, mit den Wiener Stadtwerken einen Käufer gefunden zu haben, der regional verankert ist und langfristig bei EVN engagiert bleiben möchte. Dies ist eine gute Grundlage für die Zukunft der EVN“, so Kusterer weiter.

Für die Wiener Stadtwerke ist der Einstieg bei der EVN „eine attraktive Anlagemöglichkeit durch ein Investment in das grundsolide Geschäft eines österreichischen Unternehmens“, sagte Generaldirektor Martin Krajcsir. Sein Stellvertreter Peter Weinelt ergänzt: „Wir freuen uns, dass wir künftig als Aktionär an der EVN beteiligt sein dürfen und sind optimistisch, dass unsere Investition eine positive Wertentwicklung zeigen wird“.

Zwischen den Vertragsparteien Wiener Stadtwerke und EnBW Trust wurde Stillschweigen zu Details des Kaufvertrags vereinbart. An der jahrzehntelangen Beteiligung im Rahmen der Energieallianz Austria, an der die Wiener Stadtwerke-Tochter Wien Energie und EVN je 45 Prozent halten, ändert sich durch die Transaktion nichts. Laut Medienberichten  soll sich der Anteil auf  870 Mio. Euro belaufen. Der Marktwert der EVN wurde auf 2,8 Mrd. Euro beziffert wird. Bislang war EnBW seit Jahren daran gescheitert, die Anteile zu verkaufen.

Hintergrund:

Die börsennotierte EVN AG ging 1986 aus der Verschmelzung der niederösterreichischen Landes-Elektrizitätsgesellschaft NEWAG mit dem Erdgas- und Fernwärmeunternehmen Niogas hervor. Über zwei Börsengänge wurde die EVN 1989 und 1990 zu 49 Prozent teilprivatisiert. Die Mehrheit von 51 Prozent des Aktienkapitals gehört dem Land Niederösterreich. EnBW ist seit dem Jahr 2001 an der EVN beteiligt und hat diese Beteiligung Ende 2013 im Rahmen eines CTA-Modells treuhänderisch auf den EnBW Trust übertragen.

Übernahme an Finanzinvestor verhindern

Laut Presse soll sich das EVN-Management und Politiker an die Stadt Wien gewandt haben, um eine Übernahme durch einen Private-Equity-Investor zu verhindern. Über die Energie-Allianz führen die Wiener Stadtwerke außerdem schon jetzt mit den EVN im Vertrieb eine strategische Partnerschaft.

Kritik kam promt vom Neuen Österreich (NEO): Deren Wiener Klubobmann Christoph Wiederkehr befand, dass die Wiener Stadtregierung mit diesem Vorhaben kurz davor stehe, "knapp 900 Millionen Euro Steuergeld für eine sinnlose Beteiligung der Wiener Stadtwerke an den EVN aus dem Fenster zu werfen." (sg)