Trading-Raum der Energiebörse EEX - European Energy Exchange – in Leipzig.
Bild: Christoph Busse / EEX

Behörde schafft Grundlage für Ökostrom-Importe

Das (Grünstrom-)Herkunftsnachweisregister beim Umweltbundesamt hat den Beitritt zu einem internationalen Registerverband beantragt.

Der Präsident des Registerverbandes Association of Issuing Bodies (AIB), Christof Timpe vom Öko-Institut, sagte gestern vor Journalisten, in der nächsten Woche entscheide die AIB über den Aufnahmeantrag des neuen deutschen staatlichen Herkunftsnachweisregisters (HKNR.de) beim Umweltbundesamt (UBA).

Die Aufnahme ist eine rechtliche Grundlage dafür, dass das deutsche HKNR Grünstrom-Herkunftsnachweise aus anderen EU-Staaten sowie aus der Schweiz und Norwegen importieren kann. Denn die meisten dortigen HKNR gehören bereits der AIB an, und eine andere internationale Clearingstelle gibt es nicht.

Der HKNR-Beitritt und die Herstellung der IT-technischen Verbindung zum AIB ist wiederum die Voraussetzung dafür, dass die Energiebörse EEX wie geplant vom 6. Juni an den Handel mit Herkunftsnachweisen sinnvoll aufnehmen kann. Wie Timpe gegenüber der ZfK weiter ausführte, dürfte diese Voraussetzung bis Anfang Juni erfüllt sein.

Hintergrund: Stromvertriebe benötigen seit ihren Lieferungen in diesem Jahr für diejenigen Grünstrommengen, die sie über den allgemeinen Erneuerbaren-Anteil am Strommix hinaus zu liefern versprechen und entsprechend in der jährlichen Stromkennzeichnung ausweisen, Herkunftsnachweise. Diese können sie, wenn sie in Deutschland an Endkunden liefern, seit diesem Lieferjahr nur noch über das HKNR des Umweltbundesamtes bekommen. Dies geht aus der EU-Ökostromrichtlinie von 2009 hervor.

Aus Grünstrom-Erzeugung in Deutschland selbst gibt es aber zu wenige Herkunftsnachweise, um die Nachfrage zu decken. Denn schätzungsweise 85 % der deutschen Stromerzeugung aus Erneuerbaren werden mit EEG-Fixsätzen oder nach der EEG-Marktprämie gefördert. Betreiber, die sich dafür entscheiden, dürfen aber nicht noch zusätzlich Herkunftsnachweise für die entsprechenden Strommengen bekommen.

Also sind die Ökostromvertriebe auf Importe von Herkunftsnachweisen angewiesen. Die EU-Ökostromrichtlinie hat die Voraussetzungen zu deren Erteilung vereinheitlicht. Sie hat das Ziel, Doppelvermarktung von ein und derselben Menge Grünstrom zu verhindern. Christof Timpe schätzt, dass die Zahl der europäischen Herkunftsnachweise vor Greifen dieser Richtlinie die tatsächliche Erzeugung um bis zu 30 % überschritten hat.

Die physischen Grünstrommengen selbst werden in den europäischen HKNR nicht bilanziert. Diese Trennung von Erzeugung und Herkunftsnachweis ist politisch gewollt, damit dem Graustrommarkt durch ein Ökostrom-Segment keine Liquidität entzogen wird und die Grünstrom-Eigenschaft zu effizienten Kosten dazugekauft werden kann. (geo)