Die Ausschreibung der Gas- und Stromversorgung öffentlicher Liegenschaften sorgt im Stadtrat für einen Zähneknirschen.
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Erfurt gibt eigenen Stadtwerken Korb

Die Stadt bezieht Strom und Gas künftig nicht mehr von der eigenen Tochtergesellschaft, sondern von einem Privatanbieter. Für einige Stadträte ein fatales Zeichen.

Letztlich war es eine Preisfrage: Bei der Ausschreibung für die Strom- und Gasversorgung städtischer Liegenschaften gingen die Stadtwerke Erfurt (SWE) leer aus. Wie die Thüringer Allgemeine berichtet, hat der Finanzausschuss der Stadt vergangene Woche den Zuschlag an einen badischen Privatanbieter vergeben. Für die Opposition ein problematisches Signal an die Verbraucher.

"Der Schaden für die Stadt und die Stadtwerke ist immens“, wurde Christian Poloczek-Becher (FDP) im Zeitungsbericht zitiert. Angeblich ist er mit seiner Meinung nicht allein: Auch die Stadtwerke und andere Oppositionspolitiker würden die Entscheidung der SPD geführten Stadt kritisch sehen. Dabei handle es sich weniger um finanzielle Einbußen als um einen Imageschaden, so die Thüringer Allgemeine. Wenn die Stadt als Anteilseigner „fremdgeht“, werde es für die SWE schwierig bei den Kunden um Treue zu werben – vor allem in Anbetracht des enormen Konkurrenzdrucks durch private Anbieter.

Dumpingpreise ließen den SWE keine Chance

In der Ausschreibung sei es lediglich um den günstigsten Preis gegangen, heißt es weiter. Andere Faktoren, wie die Ausbildungstätigkeit der bietenden Unternehmen oder die Dienstleistungen für die Bürger vor Ort hätten keine Berücksichtigung gefunden. Unter diesen Bedingungen habe sich schlussendlich die Deutsche Energie aus Baden-Württemberg durchgesetzt. Sie soll mit Dumpingpreisen, die unter den aktuellen Marktkonditionen liegen, ins Rennen gegangen sein, so die Thüringer Allgemeine.

Die Stadtwerke konnten bei derartigen Kampfpreisen nicht mithalten, obwohl sie ihr Angebot bereits ohne Gewinnspanne kalkuliert hatten. Die Deutsche Energie soll ab 1. Januar 2019 einen Strommix aus Erneuerbaren und KWK-Technologie an die Erfurter liefern. Das Auftragsvolumen für die kommenden zwei Jahre beträgt dabei nach Informationen der Thüringer Allgemeine zirka 17 Mio. Euro. Die Stadtwerke ließen auf ZfK-Anfrage vermelden, dass sie die Entscheidung der Stadt bedauern und sich in zwei Jahren erneut bewerben wollen. Von Seiten der Stadt und der Deutschen Energie war bis Redaktionsschluss kein Ansprechpartner zu erreichen. (ls)