Unternehmen Lebensqualität

Windpark Piesberg I Bild: Stadtwerke Osnabrück

Wasserwerl Düstrup Bild: Stadtwerke Osnabrück

Der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Osnabrück, Manfred Hülsmann Bild: Stadtwerke Osnabrück

Die Zentrale der Stadtwerke Osnabrück Bild: Stadtwerke Osnabrück

Das Servicezentrum der Stadtwerke Osnabrück Bild: Stadtwerke Osnabrück

Das Nettebad Bild: Stadtwerke Osnabrück

Stadtwerke Osnabrück: Das Querverbundunternehmen positioniert sich als »der« Partner der Stadt in allen Infrastrukturfragen

Der zunehmenden Komplexität des Geschäfts mit dem Umbau der Energiesysteme, dem sich rasant ändernden Mobilitätsverhalten, dem demographischen Wandel und nicht zuletzt der Digitalisierung sind natürlich auch die Stadtwerke Osnabrück ausgesetzt, jedoch geht man die Herausforderung ziemlich offensiv an. »Nicht alle Stadtwerke haben ein zukunftsweisendes Konzept. Wir haben das«, sagt der Vorstandsvorsitzende Manfred Hülsmann im ZfK-Gespräch selbstbewusst. Dies ist direkt am Motto, neudeutsch Claim, ablesbar: Unternehmen Lebensqualität. »Wir sehen uns in der Rolle des Lösungspartners für unseren Eigentümer, die Stadt – und zwar in allen infrastrukturellen Fragen«, macht Hülsmann deutlich.
Für den Stadtwerkechef ist dieser Weg alternativlos. »Das Unternehmen Lebensqualität sein zu wollen und auch zu können, ist unser strategischer Anspruch und bedeutet für uns, uns in unserer Rolle für die Stadt und die hier lebenden Menschen konsequent weiterzuentwickeln«, betont er, und: »Jeder Bürger soll an unseren Produkten und Dienstleistungen erkennen, was dies bedeutet.« Wo andere den Querverbund teilweise als Last empfinden, baut man in Osnabrück darum die Strategie auf.


Badeanstalt wird Erlebnisbad | Vielleicht am besten erkennbar ist dies im Freizeitbereich. »Wir betreiben keine Badeanstalt als Grundversorger mehr, sondern einen Freizeitstandort mit sich perfekt ergänzenden Angeboten«, sagt Hülsmann und bezieht sich auf das Nettebad, das 2015 mit 745 000 Besuchern zur Spitzengruppe der deutschen Erlebnisbäder zählte. Den Erfolg verdankt man auch der Integration eines Fitnessstudios und eines Physiotherapiezentrums. Die wirtschaftlichen Effekte sind positiv: Das Defizit im Bäderbereich von acht Millionen Euro konnte in etwa halbiert werden.

Neuestes Projekt des Unternehmens Lebensqualität ist eine E-Kartbahn, deren Umsetzungsplanung in 2016 beginnt. »Wir werden noch vieles mehr machen«, kündigt Hülsmann an, ohne konkreter zu werden. Schließlich erkenne man in der Stadt, dass alles, was man den Stadtwerken überträgt, optimiert werde, zumindest jedoch die Lebensqualität in Osnabrück verbessere.

Die Weichen für das umfassende Konzept haben die Stadtwerke schon früh gestellt: 2001 übernahm man die Entwässerung, 2003 den Bäderbetrieb, 2011 die Straßenbeleuchtung und 2014 die Osnabrücker Parkstätten Betriebsgesellschaft (OPG). Letzteres zahlt auf einen ganz wichtigen Punkt ein: das Zusammenwachsen des Energie- und Mobilitätsbereichs. Die Mobilitätsstrategie fußt im Wesentlichen auf drei Säulen: Elektrifizierung, Digitalisierung (Echtzeitinformation über Smartphone oder elektronisches Bezahlen) und der Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel. Dabei sollen Haltestellen in »Mobilpunkte« zum einfachen Umstieg von Bus zu Fahrrad oder auch zum Stadtteilauto umgerüstet werden. Zudem ist geplant, den Busverkehr gegenüber dem Autoverkehr zu beschleunigen.


40 Elektrobusse im Anmarsch |
Im Dezember fällte der Stadtrat der mehr als 155 000 Einwohner zählenden niedersächsischen Universitätsstadt eine zukunftsweisende Entscheidung. Bis 2020 sollen 40 straßenbahnähnliche Elektrobusse angeschafft werden, schon 2018 soll die erste Linie vollständig elektrifiziert sein. Den Stadtwerke-Chef dürfte dies besonders freuen. Als starker Befürworter der Elektromobilität zählt er zu den wenigen Optimisten, die daran glauben, dass die Bundesregierung das gesteckte Ziel von einer Million Stromautos bis 2020 erreicht. Einen Teil trägt das Unternehmen selbst dazu bei, denn rund 50 Fuhrpark-Fahrzeuge tanken bereits an Ladesäulen.

Schon frühzeitig besetzt wurde mit dem Carsharing ein wichtiger Mobilitätsdienstleistungsbaustein. Als erster kommunaler Anbieter eines stationären und »free-floating«-Leihsystems hat man mittlerweile 1800 Osnabrücker überzeugt. 54 Fahrzeuge an 41 Standorten sowie 30 für das flexible Carsharing stehen für diese neue Form der Mobilität bereit.

Dieses reichhaltige Dienstleistungsangebot ist prädestiniert für das Cross-Selling. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Kombiangebote aus den Bereichen Freizeit und Mobilität gepaart mit dem Brot- und Buttergeschäft Strom und Gas geschnürt werden. Für eine Übergangszeit ist geplant, eine Kundenkarte einzuführen. Langfristig setzt man auf eine einheitliche Smartphone-basierte Lösung. Eine zu bewältigende Herausforderung hierfür ist noch die durchgängige Digitalisierung. Im Freizeitbereich ist diese bereits abgeschlossen, im Mobilitätbereich will man 2017 soweit sein und im Energiesektor geht man dies derzeit an.
Wie viele Energieversorger erleben die Osnabrücker im Hauptgeschäft Energie derzeit Licht und Schatten. Im eigenen Gebiet erreichen die Versorgungsquoten mit über 90 Prozent bei Strom und Gas nach wie vor »sehr zufriedenstellende« Werte. Auch die Entwicklung in der Region Osnabrück ist positiv: Einem Zugewinn von rund 40 000 Kunden stehen lediglich Verluste von etwa 10 000 gegenüber. Zudem ist das Portfolio bei erneuerbaren Energien auf über 40 MW angewachsen. Mit knapp 38 MW wird dies von der Windenergie dominiert, 2,5 MW steuert Photovoltaik bei.

Weniger schön ist die Entwicklung im Bereich der konventionellen Erzeugung. Wie die übrigen 22 Stadtwerke entschied man sich bei seiner 1,96-Prozent-Beteiligung am RWE-Steinkohlekraftwerk Black Gekko in Hamm für den Ausstieg, jedoch gemeinsam mit lediglich drei weiteren Unternehmen nicht für den kompletten. Mit der gewählten Variante bleibt man unter anderem über einen Stromliefervertrag dem Kraftwerk verbunden. Laut der Neuen Osnabrücker Zeitung halbiert sich damit der Verlust der Beteiligung auf etwa fünf Mio. Euro.

Die Stadtwerke behalten so die Chance, doch noch mit dem Kraftwerk Geld zu verdienen, sollte die Kohle für einen Übergangszeitraum wieder stärker zum Tragen kommen. Hülsmann, der als ehemaliger RWE-Mann die Verhandlungsführung für alle Stadtwerke übernahm, beschreibt die Situation so: »Entweder ich glaube daran, dass es noch ein Leben für Kraftwerke gibt und die Politik dies auch erkennt oder eben nicht.«

Zahlen & Fakten 2014

Geschäftsbereiche: Versorgung, Verkehr, Entwässerung, Bäder, Hafen
Beteiligungen (Auswahl): Green Gekko Beteiligungs GmbH&Co.KG (10,07%), Smartoptimo (46%), Smartlab (30%), Items (9,08%), Trianel Kohle-KW Lünen (4,22%)
Mitarbeiter 935 (in 2013: 927)
Umsatzerlöse: 435,2 Mio. Euro (408,6)
Jahresergebnis: 3,2 Mio. Euro (3,0)
Investitionen: 74,6 Mio. Euro (34,7)
Eigenkapitalquote: 30,9% (28,5)
Stromabgabe: 1041,4 Mio. kWh (934,2)
Wärmeabgabe: 50,2 Mio. kWh (59,2)
Gasabgabe: 2206,9 Mio. kWh (2441,8)
Wasserabgabe: 10,3 Mio. cbm (10,6)