EnBW-Zentrale in der Durlacher Allee
EnBW

Einer, der womöglich zu viel weiß

In den russischen Akten ist bezüglich der Russland-Affäre um Andrey Bykow bereits von Bestechung die Rede.

Die EnBW hat ihren eigenen Geschäftsführer Hans-Josef Zimmer vor dem Landgericht in Landau in der Pfalz auf 80 Mio. € Schadensersatz verklagt. Dabei sei die Schadensersatzklage mit schweren Vorwürfen gegen den eigenen Spitzenmann gespickt. Wegen Zimmer habe der Konzern beträchtlichen Schaden erlitten heißt es in der Klage aus der Kanzlei Freshfields. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag.

Auch die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt gegen den EnBW-Manager wegen des Verdachts der Untreue und der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, schreibt das Blatt. Grund sei seine zentrale Rolle in der Russland-Affäre. Der Vorwurf lautet, Zimmer sei in "dubiose Geschäfte" mit dem russischen Lobbyisten Andrey Bykow verwickelt gewesen und habe veranlasst, dass die EnBW über Jahre hinweg Bykow mehr als 200 Mio. € für den Zugang zu Uran und zu russischen Gasfeldern überwiesen habe. Die Hälfte der Gelder sei jedoch tatsächlich für Überzeugungsarbeit aufgewendet worden. Mit den Geldern habe Bykow Verantwortliche in Russland für die Interessen der Karlsruher gewonnen. In den russischen Akten ist gar von Bestechung die Rede.

Trennen möchte sich der Konzern aber nicht von seinem Vorstand. Aufsichtsratschef Claus-Dieter Hoffmann soll kritischen Aktionären bei der Hauptversammlung im April erklärt haben, dass Zimmer "einfach so kompetent" sei. Der SZ drängt sich hingegen der Verdacht auf, dass Zimmer "einfach zu viel weiß." (msz)