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Studie: Hohes Sicherheitsrisiko bei deutschen Atomkraftwerken

Super-Gau in Folge mangelnder Katastrophenschutzpläne – laut einer Studie des BUND ist dieses Szenario in den sieben noch aktiven Atomkraftwerken in Deutschland denkbar.

„Atomkraft – sicher, sauber, alles im Griff?“ fragt die neue Studie des Bundes für  Umwelt- und Naturschutz (BUND). Laut den Ergebnissen der Atomsicherheitsexpertin und Studienautorin Oda Becker müssen die sieben untersuchten Atomkraftwerke diese Fragen verneinen. Alle in Deutschland noch laufenden Werke weisen enorme Schutzmängel auf.

Die Studie offenbart vor allem große Probleme beim Schutz vor Hochwasser, Erdbeben oder Terrorgefahren. Hinzu kommt die Häufung von Schäden in den Reaktorkernen. Allein im AKW Brokdorf bestehen Verformungen von Brennelementen und unzulässige Oxidationen an Brennstäben. Trotz ungeklärter Ursachen wird der Standort weiterhin betrieben. Ein Versäumnis, was alle untersuchten Kraftwerke betrifft, ist jedoch die mangelnde Sicherheitsüberprüfung mit Blick auf die verbleibende Restlaufzeit. "In keinem der noch laufenden Atomkraftwerke wird es in den nächsten fünf Jahren noch eine periodische Sicherheitsüberprüfung geben, das halte ich für unverantwortlich", mahnt Becker.

BUND fordert Verbot von weiteren Stromübertragungsmengen

Nicht nur das Aussetzen der Sicherheitsprüfung sieht die Expertin kritisch, auch die technische Nachrüstung zum Schutz der Bevölkerung wird bis zum Abschalten der Atomkraftwerke wahrscheinlich nicht mehr in Angriff genommen. Becker vermutet wirtschaftliche Gründe hinter den fehlenden Investitionen, sieht aber auch politisches Versagen in der laschen Einforderung von Schutzmaßnahmen.

Der BUND fordert auf Basis der vorliegenden Studie nun den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Die Chance hierfür sieht Hubert Weiger, Bund-Vorsitzender, in der Novellierung des Atomgesetzes, die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum 30. Juni dieses Jahres durch die Bundesregierung erfolgen muss. Die Gesetzesreform sieht vor, die Informationspflicht für Betreiber einzuführen. Künftig muss die Öffentlichkeit über „den bestimmungsgemäßen Betrieb“ sowie über „meldepflichtige Ereignisse und Unfälle“ informiert werden. Betreiber mussten Ereignisse und Unfälle bislang nur an die zuständigen Landesaufsichtsbehörden melden.

Weiger plädiert darüber hinaus für ein gesetzliches Verbot von weiteren Stromübertragungsmengen für die noch laufenden Werke. So könnte tonnweise hochradioaktiver Atommüll vermieden werden und der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie würde früher als 2022 geplant gelingen. (ls)