Thüringer Kommunen übernehmen Eon-Netz

Die Kommunale Energie Beteiligungsgesellschaft Thüringen (KEPT) will Mehrheitsanteile an der Eon Thüringer Energie (ETE) kaufen.

Die KEPT hat die Weichen für den Kauf der Mehrheitsanteile bei der Eon Thüringer Energie AG (ETE) gestellt, an der die rd. 850 Kommunen bisher etwa 47 % der Anteile halten. Dazu soll in den nächsten Wochen ein Zweckverband gegründet werden, der den Ankauf der Eon-Anteile über günstige Kommunalkredite finanzieren soll.
Der Konzern hatte vor etwa einem halben Jahr angekündigt, sich von seinen regionalen Netzgesellschaften und Beteiligungen trennen zu wollen. KEPT kann bis Jahresende ein Vorkaufsrecht ausüben. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, einen Kaufpreis will KEPT-Vorstand Herbert Rüben jedoch nicht nennen. Das Anlagekapital der KEPT wird bisher mit 1,08 Mrd. € ausgewiesen. Branchenkenner gehen davon aus, dass der Kaufpreis der Eon-Anteile in dieser Größenordnung liegt.
Bislang haben lediglich zwei Kommunen verbindlich ihre Bereitschaft erklärt, in einem noch zu gründenden Zweckverband mitzuwirken; u.a. Weimar, wo sich der Sitz des Verbandes befinden dürfte. Rüben geht von keinem Zeitproblem aus, da es im Freistaat einen breiten Konsens gebe und die genehmigungsrechtlichen Hürden zeitnah und parallel zum Eigentumserwerb erfolgen können. "Es werden in den nächsten Tagen weitere Kommunen bereit sein, so dass wir den ZV gründen und die Satzung zur Genehmigung einreichen können", so der Manager. Die Mehrzahl der anderen Kommunen würde dann bis Ende November beitreten. Offen ist bislang noch, ob auch weitere Anteilseigner einbezogen werden sollen, wobei auch die kommunale Thüga im Gespräch ist. Möglich seien hier Beteiligungen knapp über oder unter 25 %, so Rüben gegenüber der ZfK.
Eine kommunal geführte regionale Energiegesellschaft wird auch von den Stadtwerken begrüßt. "Wir haben als Stadtwerke Erfurt nur einen geringen Anteil in den Randgemeinden, die heute im ETE-Netzgebiet liegen", so Peter Zaiß, Geschäftsführer der Stadtwerke Erfurt. "Es wäre ordnungspolitisch sehr wünschenswert, wenn wir eine solche neue Struktur hätten, denn wir könnten viele Synergien aufbauen und nutzen", so Zaiß. Er habe sich zum Beispiel seit langem um eine Kooperation mit der ETE beim Aufbau eines Smart-Meter-Systems bemüht, was aber aus Gründen der Konzernstrategie verhindert wurde. "Wir könnten bei IT, Abrechnung oder dem Regulierungsmanagement kooperieren, aber wir werden diese organisatorischen Schritte erst nach einem erfolgreichen Erwerb der Anteile durch die KEPT im nächsten Halbjahr angehen", so Zaiß. (masch)