Der Bereich Netze soll künftig neben den erneuerbaren Energien die stärkste Ergebnissäule des Energiekonzerns EnBW werden. Das Bild zeigt eine Hubschrauberwartung im Verteilnetz des Energieversorgers. Bild: © EnBW/Claudia Fy

EnBW: Netze liefern den größten Ergebnisbeitrag

Der Energieversorger schreibt im ersten Halbjahr rote Zahlen, hält aber an seiner Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2016 fest.

Der Energiekonzern EnBW hat im ersten Halbjahr ein operatives Ergebnis (adjusted Ebitda) von 967,5 Mio. Euro erzielt – das ist knapp ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Aufgrund von Sondereffekten, allein 1,1 Mrd. Euro entfallen auf Zinsveränderungen bei den Pensions- und Kernenergierückstellungen, muss das Unternehmen unterm Strich einen Fehlbetrag von 194,2 Mio. Euro ausweisen (Vorjahr: 1,05 Mrd. Euro). "Wir haben sehr starke Verzerrungen beim operativen Ergebnis", sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer heute bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Unternehmen geht davon aus, dass sich die temporären Effekte im Jahresvergleich ausgleichen werden und rechnet weiterhin für das Gesamtjahr mit einem operativen Ergebnis auf Konzernebene in Höhe von 1,9 bis 2,0 Mrd. Euro. Das wären in etwa fünf bis zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz im ersten Halbjahr ging um zehn Prozent auf 9,8 Mrd. Euro zurück.

Als besonders erfreulich wertete Kusterer den hohen Beitrag der Bereiche Netze und erneuerbare Energien zum operativen Ergebnis – dieser lag im ersten Halbjahr bei über 70 Prozent. Diese beiden Geschäftsfelder würden im Rahmen der Strategie 2020 die künftigen Ergebnissäulen sein. Der Bereich Netze trug allein rund 524 Mio. Euro zum Ergebnis bei (+ 20 Prozent), entscheidend waren hier höhere Erlöse aus der Netznutzung von Strom- und Gasnetzen. Der Bereich Erneuerbare lag mit 153 Mio. Euro (+ 75 Prozent) noch vor dem Bereich Erzeugung und Handel mit 148,5 Mio. Euro (- 72,6 Prozent). Das starke Wachstum im Bereich Erneuerbare ist vor allem auf die vollständige Inbetriebnahme des Offshore-Windparks Baltic 2 im zweiten Halbjahr 2015 zurückzuführen.

Die Eigenkapitalquote des Konzerns verringerte sich durch die Sondereffekte im ersten Halbjahr von 13,1 auf 10,0 Prozent, die Nettoverschuldung stieg von 6,7 auf 8,9 Mrd. Euro. Finanzvorstand Kusterer hält die Kapitaldecke aber für ausreichend, um die Unternehmensstrategie 2020 umzusetzen und schloss Kapitalerhöhungen aus. Kusterer kündigte abermals an, dass das Unternehmen bis 2020 weitere 250 Mio. Euro durch Effizienzmaßnahmen sparen will. Der im Juni angekündigte Ausstieg aus dem Großkundenvertrieb werde bis 2020 rund 50 Mio. Euro an Einsparungen bringen, so Kusterer. 2019 würden die letzten Lieferverträge mit Großkunden auslaufen. EnBW habe im Großkundenvertrieb in den vergangenen Jahren Defizite im zweistelligen Millionenbereich geschrieben. Die Mehrheit der betroffenen Kunden habe Verständnis für den Schritt gezeigt. "Es macht keinen Sinn einen defizitären Bereich nur um des Kundenkontakts willen aufrechtzuerhalten, wir wollen mit neuen zukunftsfähigen Dienstleistungen im Kontakt mit den Kunden bleiben", so Kusterer. (hoe)