Erdgas wird in Deutschland zu 87 Prozent importiert. Bild: Uschi Dreiucker / pixelio.de

EnBW senkt Gas-Endpreise auf breiter Front

Die Indizien für eine Preissenkungswelle im Heizgas verdichten sich: Jetzt kündigt EnBW eine 12,2 Prozent günstigere Grundversorgung an – und mehr.

Zum Beginn der Heizperiode wird die EnBW Energie Baden-Württemberg die Gasverbrauchspreise für ihre knapp 200 000 Kunden senken, soweit sie in einem "wichtigen" Tarif sind. Der Großkonzern kündigte gestern an, den kWh-Preis in der Grundversorgung zum 1. Oktober um 13,5 Prozent auf 5,75 Cent brutto zu verringern. Zusammen mit einer Anhebung des Grundpreises von 8,03 auf 8,53 Euro pro Monat ergibt dies bei einem üblichen Heizgasverbrauch von 20 000 kWh für einen vierköpfigen Haushalt eine Ersparnis von 174 Euro im Jahr oder von 12,2 Prozent. Erst bei einem Mini-Verbrauch von 700 kWh zahlen Haushalte drauf, aber maximal sechs Euro im Jahr.

Die Tarifsenkung soll zudem bis mindestens April 2018 halten, also zwei Heizperioden lang. Zuletzt war die Grundversorgung zum August 2011 verteuert worden.

Auch die anderen "wichtigen" Tarife sollen zu Beginn der Heizperiode sinken, kündigte EnBW an, ohne Zahlen zu nennen.

Der Großkonzern unternimmt den Schritt, obwohl er (zumindest offiziell) die für seine Kunden geltenden Gasnetzentgelte vom nächsten Jahr noch nicht weiß, die rund ein Fünftel der Gasrechnung ausmachen. In diesem Jahr waren sie bei der EnBW-Verteilnetztochter Netze BW, in dessen Gasnetz sich immer noch weitaus die Mehrheit der fast 200 000 EnBW-Gaskunden mit Schwerpunkt Großraum Stuttgart befinden dürften, um bis zu 28 Prozent gestiegen. Und nach Einschätzung der "Stuttgarter Zeitung" liegt die EnBW-Gasgrundversorgung preislich bereits jetzt "deutlich" unter dem Durchschnitt im Ländle. EnBW hatte Mitte Juni zwar angekündigt, den Großkundenvertrieb Strom/Gas auslaufen zu lassen, aber gleichzeitig bekräftigt, dass der Privatkundenvertrieb in die Konzernstrategie von 2013 passt (Näheres in der gedruckten ZfK-Juliausgabe, Seite 9).

Damit hat einer der größten deutschen Gasversorger eine Preissenkung angekündigt. Auch EnBW begründet sie mit günstigeren Großhandelsnotierungen. Der Trend ist nach einer Erhebung des Wechselportals Verivox eindeutig, auch wenn die Grundversorgung bei Gas eine geringere Rolle spielt als bei Strom: Demnach haben mit Stand Ende Juni 356 der etwa 750 Gas-Grundversorger Reduzierungen in diesem Jahr vollzogen oder angekündigt, im Schnitt um fünf Prozent. Nur 25 Grundversorger bescheren ihren Kunden Verteuerungen.

Eine Google-News-Abfrage der ZfK ergibt, jeweils mit ähnlichen Begründungen wie bei EnBW: Zum April hatte die Kölner Rheinenergie die Tarife bei einem Musterverbrauch um fast neun Prozent gesenkt. Im Mai kündigten die Siegener Versorgungsbetriebe (SVB) minus sechs Prozent an, Ende Juni die Stadtwerke Hameln eine Vergünstigung um im Schnitt sieben Prozent, ihre dritte in Folge. Dem folgten kurz darauf die Stadtwerke Steinfurt mit zehn Prozent. In der ersten Julihälfte hatten die Stadtwerke Karlsruhe eine Reduzierung um elf Prozent angekündigt. Die Bonner SWB Energie & Wasser wollen bereits zum 1. September 8,5 Prozent weniger von einem Musterkunden verlangen. (geo)