EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer: "Wir dürfen in unseren Effizienzanstrengungen nicht nachlassen."
Bild: © EnBW

EnBW verdient mit Erneuerbaren mehr - aber Einbußen im Vertriebsgeschäft

Der Karlsruher Energiekonzern bestätigt Ergebnisprognose und Ausblick für kommendes Jahr. Doch die Nettoschulden steigen deutlich an.

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2019 erzielte EnBW ein operatives Ergebnis (Adjusted EBITDA) von rund 1,69 Mrd. Euro, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Das bedeutet ein Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahrezeitraum (1,57 Mrd. Euro). Der Umsatz sank um 3,2 Prozent auf 14,37 Mrd. Euro. 

"Unsere Ergebnisprognose für das Gesamtjahr bestätigen wir unverändert", betont Finanzvorstand Thomas Kusterer. "Dies vor allem mit Blick auf die im vierten Quartal neu hinzukommenden Ergebnisbeiträge unserer Offshore-Windparks Hohe See und Albatros sowie die stabilen Ergebnisbeiträge bei den Netzen", so Kusterer. Man sei zuversichtlich, das strategisches Ziel für das Geschäftsjahr 2020 von 2,4 Mrd. Euro bereits in diesem Jahr zu erreichen. Der Konzern dürfe aber in seinen "Effizienzanstrengungen" nicht nachlassen. 

Ergebnisschub bei Erneuerbaren 

Im Segment erneuerbare Energien kletterte der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Adjusted EBITDA) um 38,5 Prozent auf 298,6 Mio. Euro. Diese Verbesserung sei zum einen auf die Ergebnisbeiträge der Ende letzten Jahres in Schweden erworbenen Onshore-Windparks sowie auf insgesamt bessere Windverhältnisse bei den Onshore- und Offshore-Windparks in Deutschland zurückzuführen.

Im Segment Vertriebe lag das Adjusted EBITDA in den ersten neun Monaten bei 187,4 Mio. Euro und damit um 7,5 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres. Die Abweichung sei im Wesentlichen auf gestiegene Beschaffungskosten für Strom und Gas zurückzuführen. Zwischenzeitlich getätigte Preismaßnahmen wirkten zeitversetzt.

Nettoschulden klettern um 3,6 Mrd. Euro

Das Geschäftsfeld Netze habe sich hingegen weiter positiv entwickelt. Das Adjusted EBITDA betrug 1024,6 Mio. Euro, ein Plus von 4,6 Prozent. Der Grund: die gestiegenen Erlöse aus Netznutzung, "insbesondere aufgrund gestiegener erforderlicher Investitionen in die Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit der Netze".

Die Nettoschulden von EnBW nahmen zum 30. September gegenüber dem Stand zum Jahresende 2018 deutlich um rund 3,6 Mrd. auf nunmehr über 13 Mrd. Euro zu. Dieser Anstieg resultiere vor allem aus dem Kauf der beiden Unter-nehmen Valeco und Plusnet sowie deren Tochterunternehmen. Ein weiterer Grund seien die Rückgänge des Zinssatzes bei den Pensionsrückstellungen. Die Eigenkapitalquote sank von 15,8 Prozent zum Jahresende 2018 auf 13,5 Prozent zum Bilanzstichtag 30. September 2019. 

Kretschmann: Privatisierung kein Thema

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte vor wenigen Tagen erklärt, eine Privatisierung des landeseigenen EnBW-Anteils stehe nicht auf der Tagesordnung und dabei auf die angesichts der Verschuldung geringe Eigenkapitalquote des Energiekonzerns verwiesen. (ab/hil)