Der Hauptsitz der ostdeutschen Verbundnetz Gas AG in Leipzig. Bild: Verbundnetz Gas AG

EnBW wechselt Aufsichtsratschef bei VNG aus

Mitteilung aus dem Bundesanzeiger lässt in Leipzig Gerüchte über Wechsel an der VNG-Konzernspitze brodeln.

Bei der Verbundnetz Gas AG (VNG) in Leipzig stehen nach dem Gesellschafterwechsel nun erneut wichtige Personalentscheidungen an. Der neue Mehrheitsgesellschafter EnBW mit Sitz in Karlsruhe, dem vor Kurzem die 74,21 Prozent der VNG-Aktien durch die Oldenburger EWE-Gruppe übertragen wurde, hat eine Sondersitzung der Hauptversammlung für den 5. September einberufen. Dort soll der erst vor wenigen Monaten in den Aufsichtsrat als Vorsitzender entsandte Ulf Heitmüller, Leiter Geschäftseinheit Handel in der EnBW, abberufen werden.

Er wird durch das EnBW-Vorstandsmitglied Thomas Kusterer ersetzt, der angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Hauptversammlung voraussichtlich auch den bisher von Heitmüller eingenommenen Posten des Aufsichtsrats-Chefs übernehmen wird. Die beiden anderen Aktionäre der VNG, die aus einem Zusammenschluss ostdeutscher Stadtwerke gebildete VNG Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (VUB) mit 21,58 Prozent sowie die vor einigen Jahren aus der VUB ausgetretenen Stadtwerke Erfurt (4,21 Prozent), haben auf die Beschlusslage keinen entscheidenden Einfluss.

Zu den Hintergründen der Personalie kann derzeit nur spekuliert werden, zumal eine Pressesprecherin von EnBW auch auf Nachfrage keine Gründe für die Abberufung Heitmüllers als Aufsichtsratschef nennen mochte. „Das sei eine ganz normale Personalie, zu der mir keine besonderen Erklärungen vorliegen“, sagt sie, wenngleich es als ungewöhnlich gelten darf, dass ein solcher Wechsel bereits acht Monate nach dem Amtsantritt eines Aufsichtsratsvorsitzenden im Bundesanzeiger veröffentlicht wird.


Aus Insiderkreisen wird berichtet, dass Heitmüller mit seinen langjährigen Gashandels-Erfahrungen – so war er bei Shell Energy –, den bislang wenig erfolgreich agierenden Vorstandsvorsitzenden der Verbundnetz Gas AG, Karsten Heuchert, ablösen soll. Heuchert, Diplomvolkswirt und Jurist, kam 2010 von der Wintershall-Gruppe nach Leipzig. Unter seiner Ägide kam der notwendige Umbau des Konzerns von einem Gasgroßhändler zu einem Energiekonzern mit einer eigenen Exploration und einem breit gestreuten Beteiligungs- und Kundenportfolio jedoch nur schleppend und in wenigen Einzelbereichen voran. Die Folgen waren, auch aufgrund des Gaspreisverfalls und der schnell voranschreitenden Liberalisierung der Energiemärkte, dass bisher wichtige Assets des Unternehmens wie die Langfrist-Lieferverträge mit russischen und norwegischen Produzenten oder auch das eigene Offshore-Geschäft dramatisch an Wert verloren. Zuletzt hatte deshalb Heuchert, der auf der letzten Bilanzpressekonferenz „wegen Krankheit“ fehlte, ein rigoroses Sparprogramm einschließlich Stellenabbaus verkündet. (Manfred Schulze)