Enercon schreibt wegen des Einbruchs beim Bau von Windkraftanlagen rote Zahlen.
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Enercon und Politik planen Gespräche über Windkraftkrise

Der Anlagenbauer hat Entlassungen von bis zu 3000 Mitarbeitern angekündigt. Vor allem in Ostfriesland und Magdeburg will das Unternehmen die Belegschaft reduzieren.

Nach der Ankündigung von massivem Stellenabbau beim Windkraft-Anlagenbauer Enercon wollen Politik und Wirtschaft nach Auswegen aus der Krise suchen. Diese Woche seien dazu Gespräche mit der Landes- und Bundespolitik geplant, sagte ein Enercon-Sprecher im ostfriesischen Aurich. Enercon hatte am Freitag angekündigt, nach Einbrüchen beim Absatz bis zu 3000 Stellen abzubauen. Weltweit beschäftigt der Enercon-Verbund nach eigenen Angaben etwa 18.000 Mitarbeiter.

"Der Abbau betrifft das eigene Unternehmen und direkte Produktionspartner", sagte Sprecher Felix Rehwald. Aber auch Zulieferer, Handwerksbetriebe und regionale Zeitarbeitsfirmen bekämen die Folgen zu spüren. Ostfriesland und Magdeburg wären mit jeweils 1500 Arbeitsplätzen betroffen. Allein bei der zentralen Verwaltung in Aurich stünden bis zu 300 Arbeitsplätze auf der Kippe. Der genaue Umfang an den einzelnen Standorten oder die Auswirkungen auf die Lieferketten seien jedoch derzeit nicht abzusehen.

Politik ist Erhalt der Arbeitsplätze "wichtig"

Die Oldenburger Grünen-Europaparlamentarierin Viola von Cramon-Taubadel kristierte in diesem Zusammenhang die "wankelmütige Politik der Bundesregierung". Während für die Umstrukturierung der Kohleindustrie und für die Landwirtschaft immer noch Milliarden ausgegeben würden, könne die Branche der erneuerbaren Energiewirtschaft nicht auf großzügige Hilfen hoffen, sagte die Politikerin.

"Schlimmer noch: Durch die wankelmütige Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren ist auch noch der letzte Funken Hoffnung auf Planungssicherheit für diese Branchen erloschen", sagte von Cramon-Taubadel. Der "unambitionierte" Ausbau der Windenergie in fast allen Bundesländern vernichte hochwertige Arbeitsplätze. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte dagegen: "Die Erhaltung der Arbeitsplätze im Bereich der Windenergie ist ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung."

Jahresabschluss 2018 im Minus

Enercon habe 2018 erstmals ein Minus gemacht und einen Verlust von 200 Millionen Euro geschrieben, sagte Rehwald. Für das laufende Jahr werde ein noch höherer Verlust im dreistelligen Millionenbereich erwartet. Deutschlandweit habe das Unternehmen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres nur 65 Windkraftanlagen errichtet, 2017 seien es noch 711 gewesen.

Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig hatte den Stellenabbau mit der Energiepolitik der Bundesregierung begründet, die zu einem Einbruch des Markts für Windenergie an Land geführt habe. Enercon wollte bereits im vergangenen Jahr 800 Stellen abbauen und sich stärker international ausrichten. (dpa/hp)