Die Formulierung "Wir müssen uns neu erfinden" gibt das Anliegen nicht nur der Teilnehmer am Podiumsgespräch bei der 8. Munich Cleantech komprimiert wieder. Bild: Munich Network/Irmi Gessner

Energy Flat – Ideen für die neue Energiewelt

Die Suche nach neuen Geschäftsideen für klassische Energieversorger stand im Mittelpunkt der 8. Munich Cleantech Conference.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto “Energy becomes Service – Setting the Claims in a Decentralized Landscape“. „Niemand von uns hätte geglaubt, dass sich die Energielandschaft innerhalb so kurzer Zeit so radikal ändert“, unterstrich Ralf Klöpfer, Vorstand der MVV. Allein zwischen 2010 und 2013 sei die installierte Leistung der dezentralen Energieerzeugungsanlagen in Deutschland um 65 % auf 76 GW und über 1,4 Mio. Anlagen gestiegen. Die klassischen Energieversorger seien daran jedoch nur zu 10 % beteiligt.

Gefragt seien neue Geschäftsideen und Serviceangebote für die die einzelnen Kunden und „Energy Communities“ der „neuen Welt“, die ihre Energie zum Teil selbst erzeugen. Sei es ein optimiertes Energiemanagement, die Zusammenführung von dezentraler Erzeugung und Speicherung in virtuellen Kraftwerken oder Leasingangebote. Mit der neu gegründeten Tochterfirma Beegy, einem Joint Venture mit BayWa, Glen Dimplex und GreenCom Networks, wolle man nun verstärkt solche dezentralen Systemlösungen zum Energiemanagement anbieten, sagte Klöpfer.

„Wir müssen uns neu erfinden“, unterstrich auch Uli Huener, Abteilungsleiter Innovation Management bei der EnBW. Man sei noch auf der Suche nach den funktionierenden Geschäftsmodellen, doch wolle man die Kooperation mit innovativen Start-Ups ausbauen. Eine Idee, die Wolfram Münch, Leiter Research & Innovation bei EnBW einbrachte, ist eine Energie-Flatrate. Damit könnten „die Infrastrukturkosten fairer auf alle umgelegt werden“, denn bei einem zunehmenden Anteil von erneuerbaren Energien „tendieren die Strom-Grenzkosten zunehmend Richtung Null“, so Münch. Sein Ansatz: Jeder Kunde zahlt eine fixe Nutzungsgebühr für den Netzanschluss und Serviceleistungen als Flatrate. Hierin sind auch bereits die diversen Umlagen wie die EEG-Umlage und Steuern eingepreist. Dazu kommt mit einem Anteil etwa 30 % als variabler Anteil der Stromverbrauch bzw. Strompreis. Der Verbraucher kann selbst entscheiden, welchen Strom er günstiger oder teurer – auch zu unterschiedlichen Tageszeitungen – bezieht. Weil erneuerbarer Strom in solch einem System von der EEG-Umlage befreit sei, „kann er seine Kostenvorteile voll ausspielen“, so Münch.

Doch steht solch ein Ansatz nicht im Widerspruch zum effizienten Umgang mit Strom? Nein, argumentierte Münch. Denn durch eine Staffelung der Flatrate (fixen Nutzungsgebühr) in Abhängigkeit vom jährlichen Stromverbrauch könne ein Anreiz zum effizienten Verbrauch gegeben werden. Ob mit einem solchen Ansatz in genügendem Maß die Ausbalancierung von Angebot und Nachfrage erreicht werden kann, blieb allerdings bei der Diskussion noch offen.

Bei der 8. Munich Cleantech Conference, die am 20. Nov. 14 stattfand, wurde klar, wie stark die Branche im Umbruch ist und wie wichtig neue Ideen sind. „Wir wollen hierfür eine Plattform schaffen und Impulse geben“, unterstrich Organisator Curt Winnen vom Verein Munich Network. (hcn)