"Finanzlage jedes vierten Versorgers kritisch"

Unter den Kommunalversorgern stehen die reinen Energieversorger besser da als die Querverbundunternehmen, so eine jetzt veröffentlichte Studie von PWC.

Auf der Basis der Jahresabschlüsse 2014 aller deutschen Kommunalversorger empfiehlt die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers in einer heute veröffentlichten Studie, die Finanzierungsoptionen genau aufeinander abzustimmen und für das Energieversorgungsunternehmen (EVU) keine isolierte Finanzierungsstrategie mehr zu entwickeln, sondern sie in jene des "Gesamtkonzerns Stadt" einzubetten.

Die flächendeckend von PWC untersuchten Bilanzen zeigen Licht und Schatten in der Kommunalwirtschaft: Rentabilität im Tagesgeschäft sowie Verschuldungsgrad sehen im Schnitt der Querverbundunternehmen, die dauerhafte Verlustgeschäfte im öffentlichen Interesse wie etwa Nahverkehr oder Bäder mitunterhalten, "erheblich" schlechter aus als bei reinen kommunalen Energieversorgern. Die EBITDA-Marge (operativer Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) lag bei ersteren im Schnitt nur bei 11,8 Prozent, bei letzteren aber bei 15,3 Prozent. Der Verschuldungsgrad belief sich bei den einen auf 2,8, bei den anderen nur auf 1,8.

PWC kritisiert, dass sich die Kommunen 2014 im Bundesschnitt stärker bei ihren Versorgern durch Gewinnausschüttungen bedient haben als noch 2013. Dies sei zwar naheliegend angesichts der kommunalen Finanzprobleme, aber "kurzsichtig", so Bernd Papenstein, PWC-Finanzierungsexperte für den öffentlichen Sektor. Da die Margen der Energiesparten geschrumpft seien, "müssen sich die Kommunen allmählich fragen, was sie ihren Versorgern noch zumuten dürfen, ohne deren finanzielle Basis weiter auszuhöhlen". Die Ausschüttungsquote von Querverbundunternehmen stieg im Median von 92,0 auf 92,7 Prozent, bei reinen Energie- und Versorgungsunternehmen lag sie sogar bei 99,6 Prozent, das heißt, praktisch der gesamte Bilanzgewinn ging in den Stadtsäckel.

Bei 22 Prozent aller kommunalen EVU ist die Finanzierungssituation "schon jetzt kritisch", meint PWC. Ihre Nettofinanzschulden seien vier Mal so hoch wie ihr EBITDA (operativer Gewinn) gewesen. Überdurchschnittlich oft gehörten Querverbundunternehmen sowie Stromversorger mit konventioneller Erzeugung oder Kraftwerksscheiben zu dieser Gruppe. (geo).