Mit der Kooperation der Stadtwerke Flensburg und einer kirchlichen Handelsgesellschaft wurden Voraussetzungen geschaffen, für kirchliche Einrichtungen besondere Stromangebote zu entwerfen. Bild: SW Flensburg/Nolte

Flensburg: Flexibler Mix gibt Kraft für Kontinuität

Schon traditionell gut aufgestellt ist das Unternehmen bei der Kraft-Wärme-Kopplung. Eine neue GuD-Anlage erweitert künftig den Brennstoffmix. Erfolgreicher Vertrieb: Die Zahl externer Stromkunden stieg im vergangenen Jahr um knapp 40 % auf 115 000.

Die KWK-Ziele der Bundesregierung übertreffen die Stadtwerke Flensburg schon heute bei weitem: Etwa 98 % der rd. 60 000 Haushalte im Versorgungsgebiet heizen per Fernwärme – eine der höchsten Abdeckungsdichten weltweit. „KWK ist eine unserer wesentlichen Kernkompetenzen“, sagt Maik Render. Insofern begrüßt der Geschäftsführer auch jede gesetzliche Entscheidung, die diese Technologie fördert, wie die zum Jahresende beschlossene Novelle des KWK-Gesetzes. „Es freut uns, dass wir für unser GuD-Projekt Kessel 12 eine KWK-Förderung erhalten werden.“ Dies habe auch dazu beigetragen, die neue Anlage mit einem Investitionsvolumen von nahezu 130 Mio. € für den KWK-Betrieb auszurichten. Die Anlage, die spätestens 2016 in Betrieb gehen soll, erweitert den Erzeugungsmix der Stadtwerke um einen vierten Brennstoff. Die bisherigen zwei Staubfeuerungskessel und die drei Wirbelschichtkessel für die Grundversorgung werden derzeit mit einem Mix aus Steinkohle, Ersatzbrennstoffen (EBS) und Holzhackschnitzeln befeuert.

 

Nun hat man die Option, vier verschiedene Brennstoffe, auch in Abhängigkeit der jeweils aktuellen CO2-Kosten, einzusetzen. „Die Wärme werden wir dann erzeugen, wenn die Strompreise interessant sind. In Zeiten mit schlechteren Strompreisen fahren wir die GuD-Anlage herunter“, erläutert der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur. Die überschüssig produzierte Wärme soll im Fernwärmenetz und in Wärmespeichern, die ebenfalls erweitert werden sollen, eingelagert werden. Durch diese zeitliche Entkopplung von Bedarf und Produktion lassen sich auf der Stromseite zusätzliche Deckungsbeiträge generieren.

 

Mit dieser Strategie sieht sich der Unternehmenschef auch gut im derzeit schwierigen Erzeugungsmarkt aufgestellt. „Reine Stromproduktionsanlagen ohne KWK sind bei den aktuellen Marktbedingungen sicherlich sehr schwer zu realisieren.“ Wichtig für alle in der Energiewirtschaft sei, dass mehr politische und gesetzliche Verlässlichkeit einkehrt, betont er mit Blick auf die Energiewende. Diese bestärkt ihn darin, den Weg der im Sommer 2011 aufgestellten Strategie „Energie im Wandel – Kraft aus Kontinuität“ konsequent weiterzugehen. Darin hat sich das Unternehmen verpflichtet, stets auf eine ökologische Nachhaltigkeit seines Handelns zu achten. Neben der Entscheidung des Verzichts auf Kernkraftwerksbeteiligung zählt dazu auch das Ziel, sich nur an Erzeugungsanlagen mit einem Wirkungsgrad von über 50 % zu beteiligen.

 

Mit dem Projekt „greenco2ncept“ soll das mit Kohle betriebene Heizkraftwerk bis zum Jahr 2050 CO2-neutral arbeiten. Erste Schritte waren der teilweise Ersatz der Kohle durch Holzhackschnitzel und Ersatzbrennstoffe, die zu 50 % als regenerativ anerkannt sind. Im vergangenen Jahr verbrannte man 242 000 t Kohle, 43 000 t EBS und 4400 t Holzhackschnitzel. Bei EBS ermöglicht die entsprechende Genehmigung, max. 25 % der Kohle zu ersetzen, aktuell beträgt der EBS-Brennstoffanteil etwa 15 %. Bei Holzhackschnitzeln ist die Grenze nach oben offen.

 

Weitere Handlungsfelder von greenco2ncept sind die genannte GuD-Anlage, die zwei Kohle-Staubfeuerungskessel ersetzen wird, und Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien. Derzeit prüfen die Stadtwerke ein größeres Projekt, das bei positiver Bewertung noch im ersten Halbjahr realisiert werden soll. Aufgrund des derzeitigen Planungsstandes will man dazu noch keine genaue Angabe machen. Bereits zum Ende vergangenen Jahres wurde die PV-Anlage auf dem Betriebsgelände um 20 kW erweitert.

 

Die gesamte Eigenproduktion deckt die Flensburger Stadtlast zu 100 %. „Auch wenn wir aufgrund des wärmegeführten Kraftwerks im Sommer Strom zukaufen und im Winter verkaufen“, ergänzt Render. „Damit versorgen wir unsere rd. 60 000 Haushalte im Netzgebiet. Für unsere 115 000 externen Kunden kaufen wir Strom an Börsen dazu.“

 

Niedrige Wechselquote | Diese Zahlen zeigen, dass das norddeutsche Unternehmen auch auf der Vertriebsseite erfolgreich ist. Der Marktanteil im Flensburger Versorgungsgebiet liegt bei rund 95 %, die Wechselquote ist damit seit Liberalisierung des Strommarktes „erfreulich niedrig“. Im externen Stromgeschäft hat man in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugelegt, besonders stark im Vorjahr mit einem Zuwachs von knapp 40 % und hier wiederum sehr stark bei den Ökoprodukten. „Aus diesem Segment kamen 50 % unserer Neukunden. Sicher auch eine Folge von Fukushima“, sagt der Geschäftsführer. „Unsere Servicequalität spricht sich herum. Die hohe Zahl externer Kunden ist zustande gekommen, ohne dass wir im großen Stil überregionale Werbung betreiben.“

 

Im vergangenen Jahr waren die Stadtwerke Testsieger bei der Studie der Wirtschaftswoche über Strom- und Ökostrom-Anbieter in Deutschland. Der Geschäftsführer kennt die Hintergründe: „Wir legen höchsten Wert auf eine schnelle, umfassende und fachlich gute Kundenbetreuung mit unserem eigenen Service-Center. Außerdem stimmt unser Preis-Leistungs-Verhältnis.“

 

2011 erzielte das Unternehmen nach ersten Hochrechnungen einen Umsatz von 344 Mio. €. Im Vorjahr lag dieser nach einem Plus von 28,6 % bei 318,5 Mio. €. „Trotz der guten Zahlen im Stromgeschäft wird das Ergebnis wegen Belastungen aus externen Beteiligungen leider nicht gut ausfallen“, berichtet Render. „Mit der Fokussierung auf das Kerngeschäft, das in den letzten zehn Jahren vernachlässigt wurde, haben wir aber mit der Verabschiedung unserer neuen Strategie in 2011 die Weichen neu gestellt.“ So blickt der Geschäftsführer wieder optimistischer auf 2012 und auch die folgenden Jahre. Sein persönliches Ziel ist es, das Unternehmen „weiterhin nachhaltig und ökologisch auszurichten, und das bei größtmöglicher Flexibilität“. Nicht im Fokus werden dabei Mini-KWK-Anlagen stehen. Laut Render machen diese „bei uns keinen Sinn, da sie nicht die Wirkungsgrade unserer Anlagen erreichen können“. Schließlich ist die KWK-Quote ja heute schon traumhaft.