Sonnenernte: 341 Photovoltaikanlagen produzieren Strom in der Domstadt Freising Bild: Stadtwerke Freising

Freising: Kooperationen, wo sie Sinn machen

Im prosperierenden Münchener Umland arbeitet das vollständig kommunale Querverbundunternehmen an neuen Konzepten. Der Regionalversorger punktet mit atomkraftfreiem Strom sowie Wind- und Solarprojekten. Wechselquote von lediglich 7 %

 

Dem Thema Solarenergie stand man in Freising schon lange positiv gegenüber. 1993 führten die Stadtwerke gemeinsam mit dem Verein Sonnenkraft Freising den Freisinger Solarpfennig ein. Dieser sicherte bundesweit erstmalig eine kostendeckene Vergütung des erzeugten Solarstroms. Die Einspeisevergütung lag bei 2 DM pro kWh und kann durchaus als Vorgänger des heutigen Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) angesehen werden. Rund zehn Jahre später errichteten die Freisinger Stadtwerke entlang der Autobahn A92 die damals weltgrößte kombinierte Photovoltaik-Schallschutzanlage. An dem von der Tochtergesellschaft Freisinger Stadtwerke Forschungs- und Projekt GmbH finanzierten Vorhaben konnten sich auch Bürger beteiligen.

 

Wie nahezu überall in Bayern schritt der PV-Zubau in der Domstadt in den letzten Jahren mit großer Intensität voran. Ende 2010 produzierten 341 Freisinger Solaranlagen 4,6 Mio. kWh Strom, eine Steigerung um fast 70 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Geschäftsführer der Freisinger Stadtwerke Andreas Voigt ist trotzdem froh, dass sich die Zubauzahlen in Grenzen halten und man nicht mit ähnlichen Netzproblemen zu kämpfen hat, von denen er aus anderen Regionen Bayerns hört. „In unserem relativ eng bebauten Stadtkern sind die Möglichkeiten für PV-Anlagen sehr begrenzt. Auch der Denkmalschutz reglementiert vieles.“ Netzverstärkungen seien zwar an der einen oder anderen Stelle erforderlich, hielten sich bisher jedoch „im normalen Rahmen.“

 

In diesem Jahr beobachtet Voigt aufgrund der Kürzungen im EEG einen „deutlichen Einbruch“. Betroffen davon sind auch die eigenen Aktivitäten. Investitionspläne für PV-Anlagen im Umland, wo man Bürgern die Möglichkeiten zum Investment anbieten wollte, liegen in der Schublade. Hier wird man erst einmal die konkreten Förderbedingungen abwarten, sagt Voigt. Man werde aber sicher kein Bürgerbeteiligungsprojekt mit einer Unterdeckung realisieren.

 

Besser sind die Bedingungen bei der Windenergie. Im vergangenen Jahr haben sich die Freisinger an zwei Windparks beteiligt. So  erwarb man im Sommer einen 0,55-MW-Anteil an einem 12-MW-Windpark in der Nähe von Halle in Sachsen-Anhalt. Ende des Jahres investierten die Stadtwerke rd. 250 000 € für einen 5 %-Anteil am 11,5-MW-Waldwindpark Zieger in der Oberpfalz. Im Landkreis Freising sind die Bedingungen auch für die Windkraft begrenzt. Hintergrund ist die kleinteilige Struktur, zudem verhindert eine Radarstation in einem Umkreis von rd. 6 km den Bau von Windparks.



Energieallianz Bayern | Deshalb engagiert man sich überregional, und das zusammen mit anderen Versorgern in der Energieallianz Bayern. Über diese Kopperation, in der sich 28 bayerische EVU und eines aus Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen haben, wurden die beiden Windparkprojekte realisiert. Für Voigt verringert diese Beteiligungsform die Risiken in Bezug auf Standort und Technik. Die Energieallianz hat das Ziel, in den nächsten fünf Jahren ein Erzeugungsportfolio von mindestens 100 MW aufzubauen. Noch in diesem Jahr soll es weitere Windprojekte geben, erzählt Voigt, der aber hier noch nicht konkreter werden will. Um die Wertschöpfung zu steigern, ist geplant, auch die Projektentwicklung zu übernehmen.

 

Die Energieallianz Bayern hat ihren Sitz ebenso in Freising wie die Kooperationsgesellschaft Oberbayern und Schwaben (KOS). Dort erschließen 14 Energieversorger gemeinsam Synergien in verschiedenen Geschäfstfeldern wie Energiebeschaffung,  Marketing/Vertrieb oder beim Thema Energiedatenmanagement. So beziehen die Freisinger ihren gesamten Strombedarf über die KOS. Ab 2013 will man auch die Erdgasmengen darüber abdecken. Voigt wägt jedoch genau ab, wo Zusammenarbeit Sinn macht. Schließlich wolle man sich an bestimmten Stellen auch „von anderen unterscheiden“.

 

Kooperationen hinterfragen | Im vergangenen Jahr sind die Mitglieder der KOS in sich gegangen und haben die Strukturen hinterfragt. „Es ist ganz wichtig, dass man sich in regelmäßigen Abständen an einen Tisch setzt und sich über die Strategien und die grundsätzlichen Richtungen unterhält. Ein solch iterativer Prozess bringt die Kooperation nach vorne“, sagt Voigt. Beschlossen wurde u. a. den Personalstamm der Gesellschaft von derzeit sechs Mitarbeitern aufzustocken. Auch der Sitz der KOS könnte bald ein neuer sein. Momentan belegt man ebenso wie die Energieallianz Räumlichkeiten im Gebäude der Stadtwerke Freising. Da dies von einigen Kooperationspartnern kritisch gesehen wird, denkt man über einen Umzug nach. Allerdings sollen beide Verbünde, die sogar denselben Geschäftsführer haben, in der Region bleiben.

 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im nördlich von München gelegenen Landkreis sind günstig. Die Arbeitslosenquote liegt bei geringen 2,5 %, die Bevölkerungszahl wächst. Eine  Besonderheit ist der hohe Industrieanteil im Versorgungsgebiet. Voigt weiß, dass knapp 60 % des Stromabsatzes an Sondervertragskunden gehen. Allein auf das Unternehmen Texas Instruments entfällt rd. ein Drittel des Strombedarfs. Daneben haben auch die älteste Brauerei der Welt (Weihenstephan) sowie eine Molkerei und Bereiche der Technischen Universität München ihre Standorte im Versorgungsgebiet.

 

2010 verzeichnete das vollständig kommunale Querverbund-unternehmen mit seinen 110 Mitarbeitern eine erhebliche Steigerung des Gewinns auf rd. 2 Mio. € (Vorjahr 43 000 €). Der Stromabsatz stieg von 317 auf 329 Mio. kWh, der Gasabsatz von 286 auf 318 Mio. kWh. Auch für 2011 rechnet Voigt, der die Geschäftsführung der Stadtwerke im Jahr 2010 übernahm, mit einem guten Jahresergebnis.

 

Im Aufwind | Seit Beginn 2011 setzen die Stadtwerke auf einen atomstromfreien Strommix aus Kohle- und Wasserkraftstrom sowie dem üblichen EEG-Anteil von rd. 20 %. In diesem Jahr wird die weggefallene Atomstrommenge vollständig durch Wasserkraftstrom aus Österreich ersetzt. Diese Strategie kommt bei den Kunden gut an: Die Wechselquote liegt bei geringen 7 %. Nach Fukushima sind die Regionalversorger nach der Beobachtung Voigts im Aufwind. Davon will man profitieren. 2012 steht die externe Kundengewinnung (vorwiegend im Landkreis) im Fokus. Die Stadtwerke versorgen bereits rd. 500 Kunden außerhalb des eigenen Gebiets.

 

Bei Erdgas kamen 2011 einige Neuanschlüsse hinzu. Gut 50 % der Freisinger Haushalte werden damit versorgt. Rund 15 % erhalten Fernwärme aus dem Kraftwerk Zolling. Das mittlerweile zu GDF Suez gehörende 449-MW-Steinkohlekraftwerk und das 20-MW-Biomassekraftwerk, an dem die Stadtwerke zu 50 % beteiligt sind, versorgt vor allem die Industrie, u. a.  den Münchner Flughafen, mit Wärme. Auch einige Wohngebiete sind in jüngerer Zeit angeschlossen worden. Dort, wo dies wirtschaftlich ist, kann sich Voigt vorstellen, diese später einmal mit eigenen dezentralen Anlagen zu versorgen.

 

Überhaupt ist die Energiedienstleistung ein Thema, das sich der Geschäftsführer für die Zukunft auf die Fahnen geschrieben hat. Viel verspricht er sich vom Klimakonzept der Stadt, das derzeit erstellt wird. Hier will er erster Partner der Kommune sein und diese mit individuellen Lösungen unterstützen.